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Glühende Melancholie

Arenskijs a-Moll-Quartett mit nur einer Violine, aber zwei Celli ist von russischer Folklore durchzogen, hütet sich aber vor musikalischen Klischees. In diese dunkel glühende Melancholie fühlten sich die drei "Voglers" - hier mit Frank Reinecke am ersten Pult - und Daniel Müller-Schott höchst nobel ein. Und dann Schubert … Das beinahe unfassbar schöne Adagio … vibrierte vor Spannung, wobei das filigrane Tongeflecht stets durchhörbar blieb. Für dieses Höchstmaß an Perfektion steigerte sich der Beifall, nach Haydn noch angemessen matt, zum Jubel. (Stuttgarter Zeitung, 19. Mai 2006)

 

Feines Miteinander prägte schließlich auch das Werk, um dessentwillen wohl die meisten Zuhörer in den Mozartsaal gekommen waren: In Schuberts Streichquintett entpuppten sich die Voglers und Müller-Schott als wahre Brüder im Geiste, die das Scherzo bis kurz vor das Zerfallen und den tänzerischen Schlusssatz virtuos in Extreme trieben. (Stuttgarter Nachrichten, 19. Mai 2006)

 

Schuberts Schattenreich

„… Obwohl Daniel Müller-Schott sich sensibel einpasste in Anton Arenskijs a-moll Quartett, war der Wohlklang seines edlen Instrumentes (Venedig 1700) unüberhörbar. Besonders, wenn er das tiefe Brummen des Kollegen kokett und elegant konterte. Ohne Scheu vor gefühlvollem Gesang, temperamentvollem Auftrumpfen und dramatischer Intensität agierten die vier mit sicherem Geschmack … Im Adagio von Schuberts Streichquintett, das unter höchster Spannung wuchs und doch zugleich stillstand, wurde die Intensität geradezu körperlich spürbar. Die fünf trafen sich in einem lebendigen Austausch, genossen die übermütigen rhythmischen Turbulenz des Scherzos, streiften aber auch im Finale Schuberts Schattenreich, bevor sie mit einer wilden Stretta den Schlusspunkt setzten. (Münchner Merkur, 18. Mai 2006)

 

Selbstvergessener Taumel der Traurigkeit

… Ihren persönlichsten und tiefsten Ausdruck fand diese Gefühlslage im Spiel des jungen Cellisten Daniel Müller-Schott. Mit großer Innigkeit, einem vollen und warmen Ton ließ er schon im einleitenden Adagio sein Instrument klagen wie die Stimme eines einsam Leidenden. Mit traumwandlerischer Flinkheit formte Müller-Schott im Moderato keinen fröhlichen, sondern einen betäubenden Tanz. Im Lento wusste er die Schwermut mittels eines elegisch strömenden Legatos nochmals zu vertiefen, um im Finale mit den um sich selbst kreisenden Themen einen wie selbstvergessen wirkenden Taumel der Traurigkeit zu erzeugen. Damit war Müller-Schotts Spiel stets das emotionale Zentrum dieses letzten bedeutenden Werks von Elgar. … (Nürnberger Zeitung, 04. Mai 2006)

 

Kleine und große Wunder an Intimität

Das BBC Orchestra im Congress Centrum

... Es ereigneten sich kleine und große Wunder an Intimität, an Empfindsamkeit, an Traumverlorenheit, Wunder, die dieses oft gespielte Werk zu einem Aha-Erlebnis machten: Man hörte Schönheiten, romantische Schwelgereien, auch Dunkelheiten, Rauheiten, die man noch nicht wahrgenommen hatte. Woran lag's? Zunächst natürlich am Solisten Daniel Müller-Schott, der von dramatischer Leidenschaft, schwärmerischer Härte, slawischer Inbrunst ebenso überzeugend zu erzählen wusste wie von schwärmerischem Träumen. Der 27-Jährige kann einzelne Töne so lebendig, glutvoll, farbig ausmalen, dass sie eine ganze musikalische Geschichte erzählen. Jedes Forte bei ihm leuchtet, jedes Pianissimo hat bei aller Zartheit noch Substanz. Seine Tempi wählt er recht frei, aber stimmig. Das macht sein Musizieren aufregend, spannend. Es spricht für ihn, dass er als Zugabe keinen großartigen Solisten-Reißer spielte, sondern das innige "Gebet" von Ernest Bloch. (Mainpost, 03.Mai 2006)

 

Elementarer Schwung und heftige Kontraste

Das BBC Philharmonic Orchestra Manchester mit Gianandrea Noseda in Frankfurt und Wiesbaden

…. Nicht weniger delikat die solistischen Beiträge beider Abende: Im Kurhaus Wiesbaden tauchte der Cellist Daniel Müller-Schott tief in die melancholische Welt ein, die Edward Elgar in seinem Konzert für Violoncello und Orchester e-Moll op. 85 beschwört. In Frankfurt war Müller-Schott Solist des Konzerts für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102 von Johannes Brahms. …. Während Daniel Müller-Schott in gewohnter Weise vollgriffig in das romantische Klangbad tauchte, kontrapunktierte Mirijam Contzen diese Auffassung mit einer glasklar transparenten, intonationsreinen, doch distanzierter wirkenden Interpretation - eine spannende Darbietung, …… (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02. Mai 2006)

 

Mit Passion Spannung vorangetrieben

Meisterkonzert im Kurhaus:

Das BBC Philharmonische Orchester unter Gianandrea Noseda

… Interpret des Konzerts für Violoncello und Orchester von Edward Elgar war Daniel Müller-Schott, ein Solist, der dieses von stark resignativer Tendenz getragene Werk in der seltenen Übereinstimmung intellektueller Durchdringung und sensibler Einstimmung gestaltete. Wie nachsinnend erklangen die rezitativischen Passagen, der stete Wechsel zwischen Niedergeschlagenheit und Zuversicht in diesem "persönlichsten Werk" des Komponisten erhielt in transparentem und dann wieder eruptiv aufbrechendem Klang packendes Format, in kantablem Wohllaut wurde das Adagio nachgezeichnet. Für den begeisterten Beifall nach der fulminant gestalteten Stretta des Schlusssatzes bedankte sich der Künstler mit einer Habanera von Ravel und einer virtuos bewältigten Toccata von George Crumb. (Wiesbadener Kurier, 1. Mai 2006)

 

Abend voller zauberhafter Klänge

Der junge deutsche Cellist Daniel Müller-Schott spielte in nahtloser Übereinstimmung mit Orchester und Dirigent Edward Elgars elegisches Cellokonzert e-Moll op. 85 mit schlanker, aber nobler Tongebung, sicherer Intonation und perfekter Technik und brachte dabei auch den langen Atem und die klangliche Intensität für die großbogigen Linien seines umfangreichen Soloparts mit. Für den begeisterten Applaus bedankte er sich mit einem Elgars lange Linien fortsetzenden “Gebet“ von Ernest Bloch. (Aachener Nachrichten, 1. Mai 2006)

 

Romantik präzise auf Hochglanz getrimmt
Gianandrea Noseda und das BBC Philharmonic

Das Publikum zeigte sich auch von den raschen Tempi des insgesamt straffen Dirigates angetan. Vor allem aber von dem Solisten-Duo Mirijam Contzen an der Violine und dem Cellisten Daniel Müller-Schott, die in der Pause von Autogrammjägern umringt wurden. In Brahms’ etwas sperrigem a-Moll-Konzert für Geige, Cello und Orchester zeigten sie sich als wahre Energiebündel. Dabei so hochmusikalisch dialogisierend, dass der luxuriöse Klang, die perfekte Technik der jungen Künstler wie selbstverständlich daher kam. (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 29. April 2006)

 

In beherzten Händen

Die BBC Philharmonic mit Geigerin Mirijam Contzen, Cellist Daniel Müller-Schott - und Brahms in der Alten Oper

Der Cellist aus München, dem Brahms die glutvolleren Töne gegeben hatte, tauchte dagegen ganz ein, er war der auch sichtlich Beteiligtere. Auf diese Weise kamen sich die beiden Musiker nie in die Quere, die emotionalen Schichten überlagerten, gefährdeten sich nicht. Sie ergänzten sich vielmehr: Mirijam Contzens klarer Ton und Daniel Müller-Schotts beherztes Zupacken, eine großartige Mischung. (Frankfurter Rundschau, 29. April 2006)

 

Schwärmerische Eleganz
Daniel Müller-Schott in der Stuttgarter Liederhalle

…. schon im ersten entscheidenden Solo ließ Daniel Müller-Schott hören und wissen, dass es ihm nicht um den staunenswerten Einsatz von Bogen- und Fingerkünsten ging, sondern um improvisatorische Freiheit in der Gestaltung. Er besitzt die technischen Mittel, um seine Klangvorstellungen umzusetzen: ungefährdetes Volumen auf allen vier Saiten, keine instrumentalen Leidensgeräusche, keine würgenden Spitzentöne, dafür aber klare Linienführung, hohe Musikalität, zuweilen einen fast luxuriösen Tonfall, der im Finale in genießerischen Charme übergeht. … Im Adagio wie im Finale aber hatte Daniel Müller-Schott freie Hand für den romantischen Schönheitstraum und Dvoráks Sehnsüchte. Helle Begeisterung und zwei Zugaben… (Stuttgarter Nachrichten, 27. April 2006)

 

... So eine Begegnung konnten die Zuhörer auch beim anschließenden Kammermusikabend erleben. Mit dem vorzüglichen Cellisten Daniel Müller-Schott spielte Tasten-Tänzer Olli Mustonen unter anderem die Uraufführung seiner Cellosonate: Ein Auftragswerk der "Ostertöne", das zunächst in die Fußstapfen seines Landsmannes Sibelius zu treten scheint, um dann auf eigenen Pfaden zu wandeln, zu laufen und zu sprinten. (Hamburger Abendblatt, 18. April 2006)

 

Durch und durch frankophon

Am Freitagabend hat die Chamber Music Society des Lincoln Centers ein äußerst reizvolles Programm geboten... Herr Müller-Schott und Frau Hewitt präsentierten eine erfreuliche und reife Auslegung der Debussy-Sonate. Der Cellist entlockte seinem Instrument einen wunderbaren Klang... Debussys zweiter Satz ist ein wenig verrückt, spukend und unheimlich – Eigenschaften, die von den Musikern wiedergegeben wurden. Sie verwendeten eine Vielzahl an Klangfarben und achteten streng auf Rhythmus. Der dritte Satz sollte mit einem beschwingten Gefühl beginnen, was auch besonders vermittelt wurde: Herrn Müller-Schott und Frau Hewitt gelang eine herrliche Einleitung in diesen Satz. (New York Post, 27. Februar 2006)

 

Feinsinnig und spannungsreich

BOCHOLT Seinem Ruf, zu den besten deutschen Nachwuchscellisten zu zählen, machte Daniel Müller-Schott im Historischen Rathaus alle Ehre: Als er jetzt dort mit dem Pianisten Denys Proshayev gastierte, ließ er am Ende ein begeistertes Publikum zurück. Drei große Werke hatte das Duo mit nach Bocholt gebracht. Und deutete schon beim Allegro ma non tanto, dem ersten Satz aus Beethovens „Sonate für Klavier und Violoncello“, seine exquisite Feinabstimmung an.

Immer wieder gaben die sehr delikat gesetzten Klavierlinien dem Cello, das, mal den lyrischen Farben nachhängend, mal in sonoren Strichen aufbrausend, prachtvoll Beethovens Stimmungsreichtum nachempfand, sehr viel Bodenhaftung. So spannungsreich die Allegros und das leichte, muntere Scherzo ausfielen, so feinsinnig strömte das Duo im Adagio dahin. Die filigran verwobenen Dialoge, die punktgenauen Einsätze – sie sollten sich wie ein roter Faden durch den ganzen Abend ziehen.

Voller Inbrunst eröffnete die Cellostimme mit dem Andante grave die Sonate für Violoncello und Klavier C-Dur op.119 von Serge Prokofieff. Und erhielt durch die Klavierreihen funkelnde Lichtpunkte, als sie allmählich in warme, geheimnisvoll dahindämmernde Farben wechselte. Wie ein heiterer Aufmarsch mutete dagegen das Moderato mit seinem stolzierenden Taktmaß an. Und das schmachtende Andante dolce spielte Müller-Schott in so hinreissend gefühlvollen Bögen, dass er manchen Zuhörer zum Träumen verleitete. Mit blitzartig auftrumpfenden Wendungen leitete das Duo vom tief -verhangenen Andantino ins Allegro ma non Troppo über und ließ das vielschichtige Werk voller Anmut und Poesie ausklingen.

Hatten diese beiden Interpretationen bereits euphorische Ovationen ausgelöst, so konnten sich die Musiker mit Serge Rachmaninoffs großer „Sonate für Violoncello und Klavier op.19 g-moll“ noch überbieten. Ihre Ausdeutung sollte eine einzige Erlebnisreise in den Gefühlsreichtum der russischen Seele werden. Köstlich schmolz das auftaktende Cello dahin und wurde aus seinem Seelenschmerz erst durch die funkelnden Klavierlinien erlöst, die Proshayev – spätestens hier war seine vorzügliche russische „Schule“ nicht mehr zu überhören – in virtuosen Spannungsbögen entwickelte. Die herrlichen Schwankungen zwischen leidenschaftlicher Glut und süßer Wehmut kamen erst im Allegro scherzando zur Ruhe. Das Allegro mosso brachte mit seinen leuchtenden Stimmungsbildern noch einmal Rachmaninoffs enorme Empfindungswelt zum Ausdruck. Ein Abend voller grandioser Farben in atemberaubender Virtuosität. Da kann man sich nur schweigend auf den Heimweg machen.

Dies ist ein Text aus der BBV-Print-Ausgabe vom 19.01.2006. Bitte berücksichtigen Sie dieses bei Datumsangaben wie "gestern" oder "heute".
Autor: VON MICHAEL STUKOWSKI

 

Leuchtende Klangfarben

Der Cellist Daniel Müller-Schott und sein Klavierpartner Robert Kulek gastierten beim Lunchkonzert im Hessischen Rundfunk.

... Ein Schumann aus dem romantischen Bilderbuch, mit kraftvoll leuchtenden Klangfarben und viel Esprit. Sowohl die drei Fantasiestücke (op. 73), als auch Adagio und Allegro (op. 70) zeigten die große kammermusikalische Meisterschaft Schumanns, die sich auch auf die beiden Musiker scheinbar mühelos übertrug. Von dichter Atmosphäre und makellosem Zusammenspiel kündete auch die Deutung von Beethovens A-Dur-Sonate mit ihrem introvertierten und von den Interpreten mit feinen Strichen gezeichneten Anfang... (Frankfurter Neue Presse, Gemeinsame Ausgabe, 24.11.2005, Ge)

 

Schmeicheleien auf spanisch

Daniel Müller-Schott und Robert Kulek im Lunch-Konzert des Hessischen Rundfunks

Es ist eine erfreuliche Tendenz, daß sich so viele hochkarätige Instrumentalisten entschieden der Kammermusik widmen aus spürbarer Neigung zu einer Gattung, die noch andere Qualitäten verlangt als technische Virtuosität und solistisches Auftrumpfen. Zu ihnen zählt auch der international außerordentlich erfolgreiche Cellist Daniel Müller-Schott. Im Lunch-Konzert des Hessischen Rundfunks konnte er in einem Duoprogramm sein auffallendes Talent entfalten. Seine ganz ursprünglich wirkende klangliche und gestalterische Phantasie, die jede Phrase, ja jeden Ton individuell beseelte, drohte fast den kammermusikalischen Rahmen zu sprengen. In Robert Kulek hatte er einen gleichgesinnten Klavierpartner, der über eine ungewöhnliche Spannweite zwischen den dynamischen Extremen, zwischen subtilstem Austasten von Details und kraftvollem Zugriff verfügt.

Glücklich kam dies den Schumann-Werken zugute. So entwickelten die Fantasiestücke op. 73 vom behutsamen Beginn über das leichtfüßige Zwischenstück bis zum feurigen Finale einen unwiderstehlichen Sog. Ähnlich verlief der Weg vom äußerst gedehnten Adagio zum raschen Allegro im zweiteiligen op. 70.

Problematischer erwiesen sich die Kontraste in der Beethoven-Sonate A-Dur, wie das robust zupackende Scherzo und das an die instrumentalen Grenzen vorstoßende Final-Allegro zeigten.

Einer deutschen ersten Hälfte folgte eine spanisch geprägte zweite. Der (ungenannte) Bearbeiter der "Siete Canciones populares Españolas" Manuel de Fallas hatte nicht nur die Reihenfolge geändert, sondern den Cello-Part erheblich bereichert. Müller-Schott nutzte diese Möglichkeiten mit rhythmischer und farbenreicher Brillanz, ganz im Einklang mit seinem Partner. Die virtuosen Schmeicheleien ("Requiebros") des spanischen Cellisten Cassadó wie der grenzüberschreitende "Grand Tango" des Argentiniers Piazzolla waren ganz nach dem Geschmack des Publikums, das nach solchem Ohrenschmaus iberische Gaumenfreuden erwartete. So gab es nur zwei kurze Zugaben: Ravels ingeniöse Habanera und Brahms' unverwüstlichen Ungarischen Tanz Nr. 5, natürlich mit allem Pußta-Rubato garniert. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.11.2005, G.S.)

 

Singen, seufzen, schluchzen
Daniel Müller-Schott, Cello, und Robert Kulek, Klavier, mit einem heiteren Programm im hr-Sendesaal

Düster ist der Vormittag, grau und verhangen. Aber längst nicht verloren.

Draußen vor dem hr-Areal an der Bertramstraße ackern Fußballer über den nassen Rasen, im Sendesaal gelingt es zwei Musikern, uns die November-Kühle vergessen zu lassen. Ein langer Mensch mit Cello und ein kurzer am Piano füllen den Saal mit perlenden Noten, mit Frühlingsduft und heiterer Stimmung.

Daniel Müller-Schott und Robert Kulek beginnen ihr Programm mit einer sanft dahinperlenden Interpretation von Robert Schumanns Fantasiestücken op. 73. Noch ein wenig zaghaft vielleicht, aber schon mit klarem Blick auf das Ziel: Schumann - Beethoven - Schumann vor der Pause, eine durchaus plausible Liaison von Klassik und Romantik, die uns die beiden langjährigen Duopartner mit immer sicher werdendem Miteinander plausibel machen. Mit hellen, lichten Pianoklängen und virtuos erzählendem Cellostrich bemühen sie sich, die durchgefrorenen Konzertbesucher ein wenig anzuwärmen, sollen die sich doch nach dem Lunchkonzert bei spanischem Küchenzauber gar in südlichen Gefilden wähnen.

Das traumwandlerisch sichere Duospiel setzt sich fort in Beethovens A-Dur Sonate op.69 - forsch und ein wenig ruppig der Beginn, frivol und ausschreitend das Scherzo, routiniert und wie selbstverständlich der Übergang vom süßen Adagio cantabile zum Allegro vivace im Schlusssatz. Rasch und mit Feuer, ganz wie der Romantiker Schumann seine Finalsätze überschrieben hat, interpretieren Kulek und sein Cello-Partner den zweiten Teil des 1849 geschriebenen Adagio und allegro op. 70., in dessen Beginn sie sich, auch das im Sinne des Komponisten, mit innigem Ausdruck hineingezagt haben.

Spanisch kommen uns die beiden dann im zweiten Konzertabschnitt mit der Suite populaire espagnole von Manuel de Falla, mit den Requiebros (Komplimente), einer Hommage des Pablo-Casals-Schülers Gaspar Cassadó an seinen Lehrer und Astor Piazollas Grand Tango. In letzterem vermisst man schmerzlich das Bandoneon, dafür lässt Müller-Schott in den sechs Volksmelodien aus Spanien völlig vergessen, dass sie ursprünglich für Stimme und Klavier gedacht waren. 1912 hat de Falla seine "Heimwehstück" in Paris geschrieben, beeinflusst von Claude Debussy und dem Sehnen nach der heimatlichen Folklore. Von El pano moruno (das maurische Tuch) bis zum finalen Flamenco gestalten die beiden die Pretiosen virtuos und mit Grandezza. Ja, dieses Cello kann sogar kehlig singen, seufzen und schluchzen. Kulak vergisst hier seine perlende Distinguiertheit und agiert schroff und rhythmisch zupackend. Den eleganten Fünfminüter von Cassadó nehmen wir als andalusischen Appetithappen mit zur anschließenden Culinaria Espana und auch die Zugabe bleibt im Rahmen - Ravels Habanera-Paraphrase mit wiegendem Rhythmus und schmachtendem Bogenstrich. (Frankfurter Rundschau, Feuilleton, 23.11.2005, Gerd Döring)

 
Konzert „Meisterinterpreten“ 05.10.2005, Herkulessaal

Leichtgewichtige, schwärmerische Diskretion

Daniel Müller-Schott und Robert Kulek im Münchner Herkulessaal

Wenn wunderschöne Sängerinnen oder aufregende Jung - Pianisten ihre Riesen-Karrieren machen, geschieht es nicht selten auf eine peinlich glamouröse, illustriertenhafte, "reißerische" Art. Davon sind Cellisten zu ihrem Glück verschont. So gelang es dem erst 28-jährigen Daniel Müller-Schott, gleichsam auf diskrete Weise berühmt zu werden. Dazu trug nicht nur der bedeutsame erste Preis beim Internationalen Tschaikowsky-Wettbewerb für junge Musiker bei, sondern vielleicht mehr noch, dass die große Anne-Sophie Mutter ihn beim öffentlichen Trio-Spiel zum Partner wählte. Und den Cellisten, überzeugt von seinem außerordentlichen Talent, vielfältig förderte. Längst steht Daniel Müller-Schott, dem jungen, in München geborenen und aufgewachsenen Künstler, für's Musizieren und Platten-Produzieren die Welt offen.

Müller-Schott verfügt über einen schlanken, blühenden, manchmal betörend schönen Ton. Er muss und will nie mit dicker Sonorität aufdrehen, die Töne "melken" - was bei manchen Cellisten alter Schule ja dazu führte, dass ihr empfindsames Geschluchz aus dem vornehmen Cello die Miniaturausgabe eines sentimentalen Männerchors machte. Müller-Schott pumpt die Noten nicht effektvoll auf, intoniert sauber, setzt das Vibrato intelligent-verhalten ein, pointiert erlesen - nur manchmal leicht manieriert. Auch ist er so klug, sich als Begleiter nicht einen braven, billigen Klavierdackel zu wählen, sondern den subtilen, bemerkenswert musikalischen Pianisten Robert Kulek.

Das waren doch treffliche Voraussetzungen für einen großen Abend, zumal bedeutende Werke auf dem Spiel standen: zunächst Bachs C-Dur Solo-Suite, sodann Schuberts schwärmerisch melancholische "Arpeggione" -Sonate, und als Hauptwerk die gewichtigste Cellosonate der Literatur, nämlich Beethovens A-Dur Sonate Opus 69.
...

Bei der Bachsehen C-Dur Suite fehlte anfangs die klare, gestrenge Artikulation. Erst bei der sehr schön dargebotenen Sarabande setzte sich Bachs Gewichtigkeit durch. ... Dass dieser Cellist den abschließenden Tanzsätzen nicht gravitätisch-barockisierend beizukommen suchte, sondern entspannt, schlendernd, witzig - es war gewiss erfrischend. ...

Wunderbar zart beseelt begann dann Kulek das Pianissimo-Allegro moderato der Schubertsonate. Auch Müller-Schott wirkte wie befreit. Die Kantilenen blühten.

Dem stillen herben Verklingen des Kopfsatzes gewann Müller-Schott Herzbewegendes ab: Einen düsteren Epilog. Ein tragisches Nachwort. So geriet, mochte es dem Finale vielleicht noch an differenzierte Fülle fehlen, die Schubert-lnterpretation zum Höhepunkt des Abends. ...

Beim Finale (Beethoven Sonate Op. 69) brillierten Müller-Schott und Kulek mit rückhaltlos ausgespielter Virtuosität. Manches fiel dabei unter den Tisch - etwa die empfindsame Schumann-Nähe eines Seitengedankens, wie leider vor allem die immer schwärmerischere Entfaltung des Hauptthemas, welches sich am Ende zur Unendlichen Melodie erweitert. Gewiss wird Müller-Schott dergleichen in einigen Jahren ganz anders verstehen.

Am Ende, als temperamentvoll Virtuoses von Cassado und ein ziemlich redseliger, intellektualisierter ... "Grand Tango" von Piazzolla auf dem Programm standen, wuchs die Akklamation zur herzlichen Ovation. (Süddeutsche Zeitung, Feuilleton, 07.10.2005, Joachim Kaiser)

 
Glücksgefühle in Polling
Cellospiel, perfekt austariert: Daniel Müller-Schott im Bibliotheksaal

Polling - Nur selten erschließt sich das Glücksgefühl, das ein perfekt austariertes Cellospiel zu vermitteln vermag: Wird es weder in zu viel brummiger Wärme verschattet noch in zu viel affektierter Experimentierlust abgehoben, kann sich das Cello durchaus mit Ausdruck und Anmut der Violine messen. Ein Musterbeispiel dieser subtilen Balance erbrachte Daniel Müller-Schott am Dienstag im Bibliotheksaal. Bach auf dem Cello ist zwar selten zu hören, doch in der Cellosuite III C-Dur durchaus original. Müller-Schott erstaunte sogleich durch die reich timbrierte Farbigkeit seines Instruments, mit dem er noch feinste Gedanken des Leipziger Klangmeisters auszuloten verstand.

Trauerumflort und zärtlich zugleich gelang die Sarabande, ungeheuer detailreich und vielleicht auch etwas eigenwillig die Gigue: Daniel Müller-Schott betonte hier die Möglichkeit, mittelalterliche Tänze durchzuhören. Seine luzide Cello-Interpretation hatte viel von einem Spätsommertag, wenn sich Wärme und überklare Durchsichtigkeit' vermählen. Schuberts a-Moll-Sonate D 821 wurde mit Pianist Robert Kulek fortgeführt, der sich als höchst feinfühliger Klaviervirtuose empfahl. Die Ohren indes wollten sich am reifen Celloklang festsaugen, und so stand Müller-Schotts Spiel für die 200 Zuhörer erneut im Vordergrund. Unter dem Strich seines Bogens fand sich in der Melancholie beschwörende Schönheit und auch im fröhlichsten Tanzmotiv noch ein Leidenshauch. Ein steter Silberblick in andere Sphären schien diesem Cello zu eigen, sorgte für fesselnde Faszination.

Teil zwei des Abends fokussierte die Expressivität zunächst Beethovens Sonate A-Dur op. 69: Mit dynamischen Volten und frischem Zugriff zog Kuleks Klavierpart hier gleich. War Bach so etwas wie ein chronologischer Pflichtbeginn, ergab sich Piazzolla als Schluss fast von selbst. Herrlich das laszive, fast maunzende Locken des Cellos, wunderbar die fadohaft konzertante Feinzeichnung der Tristezza. Gekonnt führte "Le Grand Tango" zuletzt in zweistimmige Bogenstriche, die zwischen feuriger Zigeunerromantik und kühler Moderne oszillierten. Dem Duo, besonders aber Daniel Müller-Schott, galt minutenlanger Applaus. (Weilheimer Tagblatt, 06.10.2005, Andreas Bretting)

 
Cello-Konzert zwischen spielerischer Lust & Ernst

Seit etlichen Jahren hat sich München zur Brutstätte internationalen Streichernachwuchses entwickelt. Neben den Geigerinnen Julia Fischer und Arabella Steinbacher ist der 28-jährige Daniel Müller-Schott längst in die Upper Class der Cello-Zunft aufgestiegen. Im Herkulessaal legte er mit seinem Klavierpartner Robert Kulek ein eindrucksvolles Zeugnis seiner musikalischen Meisterschaft ab. Musik war bei Müller-Schott an diesem Abend nie zur virtuosen Effektnummer degradiert, sondern ereignete sich auf dem schmalen Grat zwischen spielerischer Lust und Ernst. Natürlich verfügt dieser erfrischend unkonventionelle Cellist über eine makellose Technik und einen reinen, hell timbrierten Celloton.

Das Ereignis des Kammermusikabends aber lag in der Konsequenz der musikalischen Aussage. Müller-Schott präsentierte sich als ein Meister der formalen Gestaltung, bei Beethovens A-Dur-Sonate op. 69 ebenso überzeugend wie bei Schuberts „Arpeggione“-Sonate. Er beließ es nicht bei ausmusizierten Phrasen oder liedhaft lyrischer Intimität, sondern erwies sich als ein Überzeugungskünstler für formale Zusammenhänge und Entwicklungsprozesse. Selbst in der dritten Solosuite von Bach ordnete er die Lust an der Kunst der Verzierung und Artikulation immer der Gesamtanlage der Suite unter und verweigerte sich natürlich nicht der im Programmheft fehlenden Courante. Robert Kulek stand ihm als nobel begleitender Partner zur Seite... (Abendzeitung, 07.10.2005, Rüdiger Schwarz)

 
Mit langem Atem
Daniel Müller-Schott und Robert Kulek im Münchner Herkulessaal

Bevor der junge Violoncellist Daniel Müller-Schott dazu anhebt, ein Stück zu spielen, scheint er es sich in einem einzigen Augenblick vor seinem inneren Ohr zu vergegenwärtigen: als ein Ganzes. Der Bogen schwebt schon in der Luft, um die erste Phrase zu beginnen, da holt Müller-Schott noch einmal Atem und schwingt sich gleichsam mit seinem ganzen Körper in die nun folgende Musik ein. Weit entfernt von jeder Pose geschieht dieses Sich-Einstimmen sehr diskret, fast unmerklich.

Es wirkt sich jedoch auf das ganze jeweils folgende Stück aus, weil es dem Cellisten erlaubt, auch zeitlich ausgreifende und komplex organisierte Abschnitte in einem riesigen Bogen zu vereinheitlichen. Besonders deutlich wird das an Bachs 3. Suite C-Dur BWV 1009 für Violoncello solo; die Suiten gehören ja vor allem nach musikalischer Aspektlage zu den größten Herausforderungen der gesamten Literatur: In einem einzigen Satz, ja, recht eigentlich schon in wenigen Takten zeigt sich, ob ein Musiker etwas zu sagen hat. Und das hat Müller-Schott in der Tat.

Die Phrasierung ist bereits im formal vielschichtigen "Prelude" gleichzeitig sinnfällig, weil die einzelnen Abschnitte sozusagen durch eine sofort nachvollziehbare Interpunktion gegliedert werden; darüber hinaus jedoch auch abwechslungsreich, weil Müller-Schott das volle Repertoire an Stricharten einsetzt. So vertraut er nicht allein auf die unwiderstehliche Schönheit seines Tones, der in allen Lagen frei ausklingt und dennoch stets kontrolliert wirkt, und besonders die wegen ihres Volumens immer ein wenig prekäre Tiefe des Instruments sehr klar konturiert. Ihm gelingt es, in jedem der Einzelsätze der C-Dur-Suite sehr bildmächtige Situationen aus der einstimmigen Linie
herauszulesen: wenn etwa die "Allemande" ganz kurz vor ihrem Schluss noch eine verschmitzte Schlusspointe nachschiebt oder die "Sarabande" einen grandiosen Monolog von wahrlich majestätischer Ruhe entspinnt. Nie jedoch, das ist eine der wertvollsten Eigenschaften im Spiel Müller-Schotts, fallen solche besonders erfüllten Momente aus dem Kontext heraus, sondern werden stets mit langem Atem in einen einzigen großen Bogen integriert.

Mit dem lettisch-amerikanischem Pianisten Robert Kulek geht Müller-Schott dann für zwei der großen Sonaten der Violoncello-Literatur eine enge Partnerschaft ein. Wiewohl die beiden mit großer Sicherheit zusammen musizieren, setzt Kuleks extrem weiche, vielleicht manchmal einen Tick zu stark pedalisierte Pianistik einen Kontrast zu Müller-Schotts distinktem Spiel. In Schuberts a-moll-Sonate D 821, ursprünglich für das kurzlebige Instrument "Arpeggione" geschrieben, kommt es hier einige wenige Male zu kleinen Balanceverschiebungen, wenn Kulek etwa der energischen Strichart Müller-Schotts etwas zu weich antwortet.

In Beethovens großer Sonate A-Dur op. 69 jedoch lässt Kulek sich immer wieder zu einem erdigen, latent perkussiven Anschlag hinreißen, und die Interpretation der beiden fügt so der ruhig-gelassenen Ebene des Werkes eine des überschäumenden Temperaments hinzu. (Landshuter Zeitung, 07.10.2005, Michael B. Weiß)

 

Inspiriert und leidenschaftlich

… Hoch waren die Anforderungen an Spieltechniken und Koordination für alle Beteiligten, so hoch, dass das anschließende Konzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102 von Johannes Brahms wie ein Ventil für die aufgestauten Energien wirkte.

Aber das lag nicht zuletzt an Julia Fischer und Daniel Müller-Schott, beide seit Jahren als Solisten auf den großen Bühnen zu Hause und trotzdem auch kammermusikalisch ambitioniert. Auswendig spielten sie, inspiriert und leidenschaftlich, und Carignani sah aus, als wäre er am liebsten ein Teil dieser bis ins Kleinste ausgefeilten Kammermusik gewesen, die sich da vor den Reihen des Orchesters abspielte, anstatt sich nur als Seismograph und Vermittler zu betätigen.

Ähnliches passierte bei Beethovens Tripelkonzert . Hier übernahm Jonathan Gilad den Klavierpart, hochsensibel und trotz seiner geringeren kammermusikalischen Erfahrung staunenswert gut. Dirigenten wie Hugh Wolff hätten hier das Orchester vermutlich schlanker besetzt und in der Gestaltung stärker gefordert. Aber vielleicht wollte man zu Saisonbeginn einfach zeigen, was man hat. Als Zugabe zelebrierten Julia Fischer, Daniel Müller-Schott und Jonathan Gilad den lyrischen zweiten Satz aus Felix Mendelssohn-Bartholdys erstem Klaviertrio. Es klang wie der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. (Frankfurter Rundschau, 21. September 2005, Annette Becker)

 

Visitenkarte

Beethovens Opus 1 exemplarisch in der Weilburger Schloßkirche Man muß nicht glauben, das Opus 1 eines Tonsetzers sei wahrhaftig sein erster Kompositionsversuch. Es ist aber in der Regel der erste von ihm selbst als vollgültig erachtete, die Visitenkarte gewissermaßen für den Eintritt in den "Club" der Kunstwelt. Und wie hätte ein junger Mann wie Beethoven, der im Alter von kaum mehr als 20 Jahren ja auch als Pianist aufsehenerregend wirken wollte, sich besser in die Gesellschaft einführen können als durch ein spritzig-eigenwilliges Werk, das eine Verbeugung vor der Tradition in einem längst erprobten Genre darstellt, dabei aber dennoch ein diffiziles, elaboriertes Gesellenstück für das selbstgewählte Instrument?

Daß Beethoven mit seinem Trio für Klavier, Violine und Violoncello Nr. 1 Es-Dur op. 1 Nr. 1 - die Sammlung enthält damaligen Gepflogenheiten zufolge zwei weitere Beiträge dieser Gattung - die Musikwelt verblüffen wollte, darf also nicht verwundern. Er tat dies auf höchst geistvolle Weise, indem er nicht nur zwischen Kunstverstand und Unterhaltungsbedürfnis in genialer Weise vermittelte, sondern virtuose Geläufigkeit mit eigenwillig schroffen Kontrastmitteln durchsetzte, so daß die Aufmerksamkeit nie zu erlahmen sich gestattet. In der hallreichen, für solche Feinheiten weniger geeigneten Weilburger Schloßkirche bereitet eine Aufführung dieser Musik per se wenig Freude. Wenn es aber partout in diesem Raum sein soll, dann klingt es immerhin so am besten, wie die Geigerin Julia Fischer, der Cellist Daniel Müller-Schott und die anstelle des angekündigten Pianisten Christopher Tainton kurzfristig eingesprungene Milana Tscherniawska Beethovens Erstling interpretierten: differenziert im Klang und äußerst exakt in der Ausarbeitung des motivischen Geflechts, was wegen überwiegend rascher Tempi und instrumentaler "Ablösungen" eine besonders sorgsame musikalische Kommunikation erfordert. Die Veranstaltung der Weilburger Schloßkonzerte war in dieser Hinsicht vorbildlich, auch wenn ein Teil der musikalischen Bemühungen aus akustischen Gründen verpuffte.

Viel leichter hatten es die vorzüglich vorbereiteten Interpreten mit dem Trio a-Moll von Maurice Ravel, das anstelle des mit Tainton vorgesehenen Trios in gleicher Tonart von Peter Tschaikowsky erklang. Ravels Eigenart, auch Kammermusik orchestral zu denken und bestimmte Klangfelder im Raum stehen zu lassen, als solle der Zuhörer in bestimmten Momenten der Komposition Zeit zum Nachdenken gewinnen, kam in der Schloßkirche fast uneingeschränkt zur Geltung.

Den drei Solisten gelang scheinbar mühelos eine atmosphärisch dicht gearbeitete Interpretation, was wegen der kurzen Vorbereitungszeit und der besonderen Schwierigkeit des Klavierparts besonders für die junge Pianistin aus der Ukraine eine Meisterleistung bedeutete.

Im Vergleich zu jenen Meisterwerken, mit denen Komponisten wie Beethoven (Opus 97) und vor allem Schubert in den ersten drei Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts die Gattung Klaviertrio gewichtet haben, erscheint Felix Mendelssohn Bartholdys Trio Nr. 1 d-Moll op. 49, das anstelle des ursprünglich vorgesehenen Trios Nr. 2 c-Moll op. 66 desselben Komponisten erklang, nicht völlig frei von der Tändelei einer konfliktfreien, stets sich selbst genügenden Gesellschaftsmusik. Für die Interpreten hält Mendelssohns Opus dennoch so manche Klippe bereit, und es wurde von den drei außerordentlich souveränen Instrumentalisten so geschmackvoll wie tonschön aufgeführt. Für den heftigen Applaus bedankten die Musiker sich mit einem Arrangement des Sätzchens "Anitras Tanz" aus der "Peer Gynt"-Suite von Edvard Grieg. (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Juli 2005 von Harald Budweg)

 

Begnadetes Trio begeisterte Weilburg

Kammerkonzerte im Rahmen der Weilburger Festspielwochen in der Schlosskirche sind in Besetzung und Programm meistens etwas Besonderes. So war es auch beim Auftritt von drei jungen Musikern während des Kammermusikabends am Donnerstag, den der Hessische Rundfunk live in mehrere europäische Länder übertrug.

Schon die junge Geigerin Julia Fischer aus München, die seit Jahren in Weilburg gefeiert wird, erwies sich als ein Besuchermagnet. Kurzfristig hatte die Festspielleitung nach einem qualifizierten Klavierpartner Ausschau halten müssen, weil Christopher Tainton wegen einer plötzlichen Erkrankung ausgefallen war. Dank des umsichtigen künstlerischen Leiters Karl Rarichs hatte sich die hoch begabte Pianistin Milana Chernyavska, die an der Hochschule für Musik und Theater in München unterrichtet, bereit erklärt, eine führende Rolle im Triospiel einzunehmen. Zu dem «musikalischen Dreierbund» gehörte noch der junge Cellist Daniel Müller-Schott, dem es in wenigen Jahren gelungen ist, sich auf den bedeutenden Konzertpodien weltweit zu etablieren. Ein Trio von Format also, das in Weilburg Zeugnis von der überwältigenden Qualität einer jungen Musikelite abgab. Eine Programmänderung nahm das Publikum gerne in Kauf. Statt des Mendelssohn-Trios in c-Moll hörte man vor der Pause das Klaviertrio a-Moll von Maurice Ravel), das begeistert aufgenommen wurde.

Zu Beginn stand das Trio für Klavier, Violine und Violoncello in Es-Dur op. 1 Nr.1 von Beethoven auf dem Programm, das sich zeitweise von der damaligen Gesellschaftsmusik abhebt. Wenn auch das Klavier die dominierende Rolle spielt, so kommen Geige und Cello in gleichmäßiger Ausgewogenheit zu Ehren. Gerade im zweiten Satz (Adagio cantabile) stehen Geige und Cello in buchstäblich singender Gemeinschaft zusammen. Im wunderschönen Ton der Violine von Jean Baptiste Guadagnini (1750) gelang Julia Fischer das einvernehmliche Korrespondieren mit den beiden Instrumenten. Hier erwies sich Daniel Müller-Schott als zuverlässiger Partner mit enormer Virtuosität. Das leidenschaftliche Spiel der aus der Ukraine stammenden Pianistin trug zur Vollkommenheit bei.

Dann das Klangbild Ravel’scher Handschrift, in dem Milana Chernyavska mit grazil-überlegener Hand so richtig im Element war. Da spürte man die Freude unter den drei Interpreten, die die Ecksätze mit ihren asymmetrischen rhythmischen Wirbeln enthusiastisch in den großen Raum der Schlosskirche ließen.

Die Zuhörer staunten. Die drei Themen des Klaviertrios im gegensätzlichen Charakter ergänzten sich wirkungsvoll in der Tonsprache der drei Instrumente.

Die erstaunliche Beherrschung so unterschiedlicher Musikstile sowie die virtuose Fingerfertigkeit der Pianistin muss besonders hervorgehoben werden. Sie war sozusagen der antreibende Motor für das gelungene Trio-Spiel, wobei natürlich deutlich wurde, dass Milana Chernyavska mit Julia Fischer eng zusammenarbeitet.

Mendelssohns Klaviertrio d-Moll op. 49, das nach der Pause erklang, gehörte zu den Höhepunkten des Konzerts. Im ersten Satz hört man eines der weitest gespannten Themen des Komponisten, das vom Cello angestimmt und von der Geige aufgenommen wird. Im Finale kamen die Künstler noch einmal zu einer leidenschaftlichen Erregung, die sich zu einem imponierenden Abschluss steigerte. Als der strahlende Dur-Ausklang das Werk beendete, blieb dem begeisternden Auditorium nur noch der Dank an die Interpreten übrig, der sich in einem lang anhaltenden Applaus mit vielen Bravo-Rufen äußerte. Ein kurzes Stück aus dem Reich der Folklore von Edvard Grieg war dann die Zugabe des begnadeten jungen Trios. (Frankfurter Neue Presse, 16. Juli 2005 von Willibald Schenk)

 

Göttliches Spiel - Nikolaisaal an der Grenze ...
Wie viel Beissel in vier Jahren mit dem Orchester erreicht hat, stellte dieses Programm klangvoll unter Beweis; überdies bot es mit Alexander Skrjabins dritter Sinfonie ein wenig bekanntes und mit Johannes Brahms' Doppelkonzert ein erstaunlich selten gespieltes Werk.

Dieses 1887 entstandene Stück, a-Moll op. 102, für Violine, Violoncello und Orchester ist im schmalen Brahms'schen Orchesterschaffen die letzte und wahrlich nicht schlechteste Komposition. Mehr als ein schwacher Ersatz für das Fehlen eines Cellokonzerts, knüpft das Werk an den leidenschaftlichen Ton der frühen Jahre an.

Den Solopart übernahmen Alina Pogostkin und Daniel Müller-Schott. Die 1983 geborene Geigerin und der sieben Jahre ältere - bereits sehr renommierte - Cellist, schwärmten geschwistergleich mit wehend schwarzem Haar durch ihre Partien: gesungen mit schlankem Ton, jedoch Witz und Attacke, dabei die schwer zu koordinierenden Unisono-Passagen (die man selbst in Studio-Aufnahmen schon wackliger gehört hat) traumwandlerisch bewältigend.

Dieser Leistung stand das Orchester gezähmt und mit empfindsam geführten Holzbläsern zur Seite.
(Märkische Allgemeine, OLAF WILHELMER, 20.06.2005)

 

Als das Orchester mit Johannes Brahms' Doppelkonzert für Violine und Violoncello (op. 102) "zu Worte" kam, hatten diese weltlichen Probleme keinen Platz mehr.

Der finnische Violinist Pekka Kuuisto fiel an diesem Abend als Solist aus. An seiner Stelle spielte Alina Pogostkin (Violine) neben Daniel Müller-Schott (Violoncello). Durch dieses reizende Solistenpaar schien die Brahmssche Komposition für die Augen sichtbar zu werden. Die beiden führten ein leidenschaftliches Gespräch, energisch, aber ohne Feindseligkeit.

Das Cello erklärte sein Leid und fand verständnisvolle Töne bei der Violine. Das Orchester webte dazu für jede Temperamentsfacette einen samtenen Klangteppich. Dabei gelang dem Dirigenten Heribert Beissel klanglich so etwas wie die Quadratur des Kreises. Er erzielte energische Orchesterklänge ohne schroffe Kanten. Das Publikum applaudierte mit Händen und Füßen. (Märkische Oderzeitung, Jan Hobohm, 20.06.2005)

 
Hypnotische Mischung ohne Firlefanz
Eröffnungskonzert der Festspiele überzeugte

Neubrandenburg - Daniel Müller-Schott ruht in sich, er ist ganz aus Konzentration geborene Stille. Der Körper seines Cellos verführt, scheint frei zu schweben, zu tanzen.

Mit dem Bogen beschwört der 28-Jährige ihn, während die flatternden Finger gleichsam die Saiten in Schach halten. Eine grenzenlose Einsamkeit scheint diese Gestalt mit der Seele einer längst vergangenen Zeit zu umgeben. Müller-Schott zählt zu den vielversprechendsten, charismatischsten wie unaffektiertesten Nachwuchssolisten der internationalen Musikszene.

Dass die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern diesen D`Artagnang mit dem verteufelt romantischen Habitus für das Eröffnungskonzert am Freitag in der Neubrandenburger Konzertkirche verpflichteten, ist ein Signal: gegen das ebenso laute wie vulgäre und monströs laufende Klassik-Musik-Geschäft.

Ohne Flitter und Firlefanz wirkt dieses Startkonzert mit dem Preisträger der Festspiele, dem NDR-Sinfonieorchester unter Lawrence Foster und Werken von Schostakowitsch und Ravel umwerfend hypnotisch. Im Es-Dur Cellokonzert Nr. 1 von Dmitri Schostakowitsch präsentiert Müller-Schott seine emotional wie ausgereift wirkende Interpretation als eine organische Mischung aus Körpergefühl und intellektueller Kontrolle.

Der Ungestüme zeigt sich als idealer Partner für das NDR-Sinfonieorchester, indem er eine staunenswerte Sensibilität für eine gleichschwingende musikalische Kommunikation besitzt. Er versteht die Staccato-Motive im ersten Satz mit weniger Robustheit als seine Kollegen. Und lässt trotz erforderlicher maschinenhafter Repitationstechnik die Musik sehr wohl atmen.

Das Espressivo des zweiten Satzes trägt einen Ton von rascher Attacke und doch von zärtlicher Leichtigkeit. Die aggressive Unmittelbarkeit, die sich mit meditativer Geistigkeit mischt, wirkt auf das Publikum wie ein Aphrodisiakum. (Bea Bernstein, Schweriner Volkszeitung, 13.06.2005)

 
Hemmungslose Hingabe am Violoncello
Von Peter Buske

Neubrandenburg. Für den Glanz des Eröffnungskonzertes sorgten unter Leitung des Genauigkeitsfanatikers Lawrence Foster das NDR-Sinfonieorchester und Cellostar Daniel Müller-Schott. Vor zehn Jahren wurde er, als junger Elitevertreter, der erste Solistenpreisträger der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern. Nun kehrt er, künstlerisch gereift, an die Stätte früherer Erfolge zurück. Dabei verhilft er Dmitri Schostakowitschs Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 Es-Dur op.
107 zu einer stürmisch gefeierten Wiedergabe der Extraklasse.

Seine pointierte Spielintensität steht der eines Mstislaw Rostropowitsch, Widmungsträger des Konzertes, in nichts nach. Hemmungslos gibt er sich in den langsamen Sätzen dem melodischen Wohllaut und dem Aussingen schmerzvoll-schöner Passagen hin, in den leidenschaftlichen Abschnitten der voranstürmenden Attacke.

Des Staunens ist hier wie dort kein Ende. In erstklassigem Zusammenspiel treffen Orchester und Solist den grotesken, trotzigen und lapidaren, kurz den typischen Schostakowitsch-Ton auf den Punkt genau. Bei exponierten Einsätzen verdient sich das Horn seine Meriten. Auch optisch hält Daniel Müller-Schott innige Zwiesprache (Moderato) mit einzelnen Bratschen und gezupften Celli, dann mit der ätherisch zart wispernden Celesta. Doch auch der Virtuosität im Finalsatz bleibt er nichts schuldig. (Peter Buske, Nordkurier, 13.06.2005)

 
„Daniel Müller-Schott verfügt über eine scheinbar selbstverständliche technische Souveränität und einen Ton von herrlichem Schmelz.“ (NZZ, 28./29. Mai 2005)
 

„Das Element des Kämpferischen dominiert, und der Cellist Daniel Müller-Schott griff den Solopart (des 1. Cellokonzerts von Dmitri Schostakowitsch) auch kühn und kraftvoll an. Er nahm mit der Brillanz seines Könnens und der Intensität seines Spiels sofort gefangen....

In der hochexpressiven Interpretation des zweiten Satzes fiel vor allem Müller-Schotts feinsinnige Behandlung des Vibratos auf, das er aus dem Reglosen Nonvibrato unmerklich erstehen, aufblühen liess, - oder umgekehrt – weiter, enger, wärmer, kühler werden liess und damit Gewichtung, Farbe, und Ausdruck der Töne und Motive charakterisierte. Unvergleichlich auch das leise Traumgebilde des Flageoletts, zu denen das Orchester Fata-Morgana-artige Wunderklänge beitrug.“ (Der Landbote, 27. Mai 2005)

 

„Mit Ehemann André Previn am Klavier und dem jungen aufstrebenden Cellisten Daniel Müller-Schott spielte die Stargeigerin vier Klaviertrios des Salzburger Meisters bei ihrem zweiten Auftritt im Rahmen der Pfingstfestspiele im Festspielhaus Baden-Baden.

...In KV 254 noch wenig gefordert, zeigte sich Daniel Müller-Schott dann in den Trios B-Dur KV 502, E-Dur KV 542 und G-Dur KV 564 als exzellenter Cellist, der seinem Instrument einen sonoren Ton zu entlocken wusste und durch ein ausdrucksvolles Cantabile-Spiel gefiel. In allen neun Sätzen dieser drei Trios, die von Mozarts reifer Kammermusik-Kunst zeugen, war ein hoch konzentriertes und überlegenes Spiel zu bestaunen, das in den Kopfsätzen von sehr schlüssiger formaler Auffächerung, in den langsamen Teilen von bewegend expressiver Erfüllung und in den Finali von animierender rhythmischer Lebendigkeit geprägt war.“ (Pforzheimer Zeitung, 19. Mai 2005)

 

Kritik des Konzerts in der Tonhalle, Zürich, am Samstag, 16. April 2005

Blühender Klang
Anne-Sophie Mutter Spielte Mozart - und das Zürcher Publikum stürmte die Tonhalle

Kein Zweifel, Mozarts Klaviertrios wären im Kleinen Tonhallesaal besser aufgehoben. Aber wenn die Violinistin Anne-Sophie Mutter auf dem Podium sitzt, dann ist selbst der Große Saal nicht groß genug. Dicht bestuhlt war am Samstag das Podium, voll besetzt auch der Verbindungsgang: man kann es den Veranstaltern der Neuen Konzertreihe Zürich (auch in Anbetracht der zu bezahlenden Gagen) kaum verdenken, dass sie dieses Publikum nicht wegschicken wollten....

Der Ton von Anne-Sophie Mutter - die dieses Jahr auch mit Mozarts Violinsonaten und den Konzerten auf Tournee geht - lebt vom gezielten Einsatz des Vibratos.

Daniel Müller-Schott prägt die Trios KV 502 und KV 548 mit ruhigem, blühendem Klang. Und André Previn spielt mit geradezu übermütiger Beweglichkeit. Da wird ein Flair für Mozarts Fantasie spürbar, auch die Lust am Zusammenspiel. In einem kleineren Raum hätte es ein wirklich intensives Konzert werden können.

So wurde es immerhin ein sehr schönes.
(Susanne Kübler, Tages-Anzeiger, Zürich, Schweiz, 18. April 2005)

 
In entlegeneren Gefilden

Mutter/Previn/Müller-Schott spielen Mozarttrios in München

Eine müßige Spekulation und doch eine, die dieser anregende Kammermusikabend in der dafür eigentlich ungeeigneten, vollbesetzten Münchner Philharmonie mit Anne-Sophie Mutter, Violine, Sir André Previn, Klavier und Daniel Müller-Schott, Violoncello geradezu provozierte: Was hätte Mozart wohl komponiert, wäre er länger am Leben geblieben?

Womöglich hätte er sich intensiver dem Violoncello gewidmet und es als eigenständiges Soloinstrument entdeckt.

Schließlich hatte Haydn in seinen Konzerten schon eindrucksvoll gezeigt, was im Cello für grandiose Möglichkeiten stecken.

Doch hat es in Mozarts Streichquartetten, zunehmend, genug zu tun, im einmaligen Divertimento KV 563 ist es Akteur mit eigener Souveränität.

Auch das Genre Klaviertrio hätte er gewiss noch weiter entwickelt und ausdifferenziert, was man schon an dem Weg vom luftigen Divertimento KV 254 des Zwanzigjährigen zu den gewichtigen Werken KV 502, 542 und 548 sehen kann, die Mozart zehn, beziehungsweise zwölf Jahre später schrieb. Im frühen Stück muss sich das Cello noch ganz mit einer dienenden Funktion als Bassverstärkung begnügen. Geige und Klavier dialogisieren vor allem im kantabel fließenden Adagio-Mittelsatz so sehr sich ineinander vertiefend, dass sie in eine Art Modulationsirrgarten geraten, aus dem sie sich aber elegant wieder lösen können. Den drei Musikern gelang dieses Divertimento am Anfang ein wenig flüchtig, es klang noch mehr nach Zusammenfinden als nach kammermusikalischer Ensemble-Geschlossenheit.

Diese Labyrinthe des Modulierens entfaltete Mozart in den späteren Werken dann mit ganz anderer Kühnheit und Intensität. Da gerät die Musik etwa im Rondo-Schlusssatz des E-Dur Trios KV 542 mittendrin in eine solch traumhafte Fremde des harmonischen Geschehens, dass es ihr - und uns mit - geradezu schwer fällt, wieder ins Rondo und in die Haupttonart zurückzufinden. Mutter, Previn und Müller-Schott ließen sich überzeugend auf dieses verzaubernde, auch unheimliche Herumirren ein, trotz ein paar "Motten" im Klavier.

Auf der Höhe ihrer individuellen Kunst, aber auch ihres kammermusikalischen Verständnisses bewegten sich die drei dann in den Trios KV 502 und 548. Vor allem bewies Daniel Müller-Schott mit klanglich ausgereifter, immer nobler, hingebungsvoller Phrasierungsdeutlichkeit, wie sich die Mozartsche Triowelt verändert, wenn das Cello ebenbürtig mitspielen darf.

Plötzlich entstand da jene Magie des innigen, einander zugetanen Dreigesangs, wie ihn ein Klaviertrio beschwören kann und sollte.

Anne-Sophie Mutters Violine leuchtete hell, in den manchmal weit ausschwingenden Kantilenen sehnsüchtig und in schnellen Passagen hinreißend virtuos auf, André Previn hielt mit federleichter Geläufigkeit und unsentimentaler Klarheit des Anschlags souverän die rhythmischen Zügel in der Hand, in die sich seine expressiven Streicherkollegen legten, ohne sie zu überspannen. So entstanden Mozarts Klaviertrios als bezwingend lebendige musikalische Gegenwart. Herzlicher Beifall.
(HARALD EGGEBRECHT, Süddeutsche Zeitung, 15.04.2005)

 

Kritik des Konzerts im Schwetzinger Schloss (Jagdsaal), Schwetzingen, am Sonntag, 8. Mai 2005 (11:00 Uhr)

Ein Edeltango zum Singen
Der junge Cellist Daniel Müller-Schott gastierte in Schwetzingen

Dieser Besuch war längst überfällig. Seit mehreren Jahren schon wird der junge Cellist Daniel Müller-Schott mit Superlativen überschüttet und in die internationalen Konzert-Zentren gerufen. Der Stipendiat von Anne-Sophie Mutters Stiftung gastierte in der Festspielreihe "Schwetzinger Debüt" mit dem Pianisten Robert Kulek, der meist im Schatten seines Duo-Partners bleibt. Kulek weiß, sich zurückzunehmen, ist ein genauer Zuhörer und vollzieht jeden Tempo- und Stimmungswechsel mit. Doch den gedanklichen Höhenflügen des Cellisten kann er auf den Tasten nicht immer folgen.

Daniel Müller-Schott schwebt mit Vorliebe auf den Flügeln des Gesangs, ob nun Beethovens Sonate Opus 69 oder Astor Piazzollas "Großer Tango" auf dem Notenständer liegt. Sein Instrument beherrscht das musikalische Geschehen dank einer nie abbrechenden melodischen Beständigkeit. Die ausdrucksstarke Lyrik des Interpreten bündelt alle Programmbeiträge der Matinee zu einem unerschöpflichen Fundus von Liedern ohne Worte, so unterschiedlich die Kompositionen auch sein mögen. Es scheint, als wolle der Cellist aus den tief erfühlten fünf Stücke im Volkston von Schumann, die er an den Anfang stellt, einen geistigen Überbau errichten, unter dem schließlich auch Manuel de Fallas "Suite populaire espagnole", Gaspar Cassadós "Requiebros" und als Zugabe Ravels "Habanera" ihren Platz finden.

Einerseits geht Müller-Schott mit dem Vibrato sehr sparsam um; dies deutet darauf hin, dass er die Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis anwenden möchte. Andererseits jedoch fließt sein Spiel über von Emotionen, die aus Phrasierung, Artikulation und seiner Mimik sprechen. Zeugt dieser Widerspruch von einer Suche nach Harmonie, die alle Stilrichtigen miteinander vereint, oder von einer herausfordernden Selbstbehauptung, die Klassisches, Spanisches und Latein-Amerikanisches unter einen Hut zwingt?

Wahrscheinlich überwiegt das Harmoniebedürfnis. Es führt so weit, dass Müller-Schott die Cello-Version von Piazzollas Tango vollkommen als Kunstmusik vereinnahmt, jeden Hauch von Kneipen-Schmuddel wegfegt. Währenddessen traut sich sein Begleiter aus der Reserve und produziert auf dem Flügel klirrende, rasselnde Tamburin-Effekte. Er rettet noch das Fauchende, Bissige des Originals in die Kammermusik hinüber. (Monika Lanzendörfer, Mannheimer Morgen 11.5.2005)

 

Bachs Ministranten in der Tonhalle
Klangkontemplationen allein und zu zweit boten die Geigerin Julia Fischer und Cellist Daniel Müller-Schott in der St. Galler Kammermusikreihe.

Man kann sie als introvertierte Etüden betrachten, als stilles Zwiegespräch zwischen Musiker und Instrument auf dem steilen Weg zu technischer Perfektion - oder als Summa des Repertoires, mit der arrivierte Solisten ihr künstlerisches Bekenntnis ablegen: Bachs Partiten, Sonaten und Suiten für Violine respektive für Violoncello solo.

Tanz und Meditation im Solo
Keine Kunststückchen für den nach Superlativen gierenden Klassikmarkt hat Bach damit hinterlassen, sondern noch immer asketisch-intellektuelle Kopfmusik, die sich im Stillen aufs Parkett wagt und tanzt - Allemande, Courante und Gigue, dazwischen auch die modische Bourrée. Oder weltvergessen meditiert: schwebend in der Sarabande den Raum durchschreitet, den Möglichkeiten verborgener Mehrstimmigkeit in einer Solofuge auf den Grund geht. So ernsthaft forschend und dabei schon zu tiefen Erkenntnissen vorgedrungen dienen Julia Fischer und Daniel Müller-Schott am Altar des Thomaskantors: beide noch unter dreissig, doch mit Einspielungen und Auszeichnungen bereits anerkannte Spezialisten für den solistischen Bach. Daniel Müller-Schott, unter anderem Kammermusikpartner von Anne-Sophie Mutter, interpretierte die C-Dur-Suite Nr. 3 frei und atmend, doch ohne aufgesetzte Extravaganzen, variabel im Klang, dabei nie kantig und herb.

Vom Prélude aus zog er den Grundton verhaltener Festlichkeit durch die Tanzsätze; Julia Fischer ihrerseits gab in der a-Moll-Sonate ein Musterbeispiel inspirierter Klangkontemplation mit feinen dynamischen Schattierungen, wie sie von Bach original vermerkt sind.

Seelenverwandt im Duo
Nicht minder lohnend die beiden frühmodernen Rendezvous aus dem schmalen Repertoire für Violine und Cello: zum einen Kodálys filigranes, rhythmisch wie klangfarblich reizvolles Duo op. 7, zum anderen jene Sonate, mit der Ravel Debussy huldigte und sich zugleich zu neuen harmonischen Kühnheiten aufschwang.

Julia Fischer und Daniel Müller-Schott werfen sich hier seelenverwandt die zarten Kantilenen zu - unmissverständlich für Lauscher an der Kammertür. (von Bettina Kugler, St. Galler Tagblatt, 30. April 2005)

 

Feingliedrig und sehr lyrisch
Cellist Daniel Müller-Schott überzeugt bei Mainzer Meisterkonzerten

In den Mittelpunkt seines Mainzer Mainzerkonzerts in der Rheingoldhalle hat Cellist Daniel Müller-Schott Robert Schumann gestellt.

Seit Daniel Müller-Schott 15-jährig mit seinem Cello den Tschaikowsky-Wettbewerb gewann und mit einer Einspielung von Bachs Solo-Suiten für Aufsehen sorgte, gehört er zu den herausragenden Cellisten der Gegenwart. Von Schumanns empfindsamer Musik ist er so angetan, dass er bekannte Schumann-Lieder wie "Mondnacht" und "Abendlied" für sein Cello bearbeitet und auch Schumanns Violin-Sonate in einer Cello-Fassung eingespielt hat.

Im Meisterkonzert gestaltet Müller-Schott das Cello-Konzert von Robert Schumann kammermusikalisch feingliedrig und lyrisch ausschwingend in den Kantilenen. Im Kopfsatz fährt die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz ungehobelt ruppig in die Sanglichkeit des Solo-Instruments. Wunderschön abgetönt erklingt in elegischen Farben der Mittelsatz in diesem Spätwerk, das erst vier Jahre nach Schumanns Tod uraufgeführt wurde.

Im Finalsatz entfesselt der Cellist nicht nur die Virtuosität - auch der koboldhafte Humor und die Zerrissenheit Schumanns werden in diesem Rondo hörbar.

Als Zugabe spielt Müller-Schott "Gebet" von Ernest Bloch - ergriffen lauscht man dieser jüdischen Meditation.... (Rhein-Main Zeitung, Siegfried Kienzle, 07.05.2005)

 

Eine der ersten Adressen der musikalischen Welt

Es ist stets eine große Freude, diesem Orchester zu begegnen: Die Warschauer Nationalphilharmonie gehört zu den ersten europäischen Adressen in Sachen Klangkultur. Der Auftritt im Dortmunder Konzerthaus kam einem Triumph gleich.

Das Programm war – zugegeben – konventionell; die Aufführung setzte Maßstäbe. Das lag am Solisten, dem jungen Cellisten Daniel Müller-Schott, den wir ja in dieser Region mit Anne-Sophie Mutter und André Previn im Klaviertrio erlebten und der nun Dvoraks Konzert mit faszinierender Vitalität, mit betörendem Ton, mit gestalterischer Eleganz fern routinierter Langeweile anging. Dieser Cellist ist eine Höchstbegabung, weil ihm Beiläufiges fremd ist, weil er tief eindringt, in die Musik. ... (Westdeutsche Allgemeine Zeitung, 25. Januar 2005)

 

Wellness pur für die Abonnenten
Warschauer Philharmonie gastierte

Als Wit seine Warschauer mit dem italienischen Schiller-Gewitter loslegen ließ, war klar: Das wird ein Abend wohligster Konzertgenüsse. Auch weil sich dem traditionsbewussten Warschauer Orchester ein ganz gegenwärtiger, gerade mal 27 Jahre alter Cellostar, Daniel Müller-Schott, zugesellt hatte – das war kein Widerspruch, sondern wurde zum Triumph. Fast hundert Takte Vorspiel, dann legte sich Müller-Schott für Dvoraks Cellokonzert, das schönste, das schwierigste der ganzen Literatur, mächtig ins Zeug, reihte aufbrausende Attacke und wunderbar kantable Lyrik mit voluminös-tragfähigem Ton aneinander.

Keine Spur von verstaubter Spätromantik, sondern der junge Münchner beherrscht die mitreißende Dramaturgie aller drei Sätze, präsentiert eine taufrisch wirkende Interpretation – genauso wie das Orchester aus seinen vergilbten Noten. Wit lässt sich kapellmeisterlich generös auf alle Phrasierungs- und Rubatovorstellungen seines Solisten ein, auf dessen kraftvolle Linien, auf eine emotionsgeladene Poesie, die ganz ohne dick aufgetragene Cello-Süffigkeit auskommt.Überall besticht die hingebungsvolle Farbigkeit des Spiels von Müller-Schott, die Identifikation mit der Vorlage und die bruchlose Integration in den Orchesterkontext.

Müller-Schott greift mit dieser überaus intelligenten, intensiven Wiedergabe nach den Sternen bester Vorbilder. Mit dem lyrischen Abgesang des Finalrondos fokussiert er noch mal alle Aufmerksamkeit auf sich, lässt sich alle Zeit dieser Welt für Dvoraks schmerzliches Memento – dann das Schlussleuchten der Posaunen. ... (Nürnberger Nachrichten, 24. Januar 2005)

 

Antoni Wit mit der Warschauer Philharmonie in Nürnberg: Cellist Daniel Müller-Schott war der Star

... Der 28jährige Musiker, der den Übergang vom bestaunten Talent zum souveränen Meister ohne Bruchstelle geschafft hat, verbindet sein nach wie vor jugendlich sprühendes Temperament mit einer stilistischen Reife, die alle Freiheiten nutzen kann.

Bei Müller-Schott führt das durchaus zu den Extremen von „oben“ und „unten“, eingebettet in eine Spannweite von introvertierter und explosiver Klangkultur, die noch in der gespreizten Pose voller Poesie steckt. Das Umschalten zur klaren, das Gehör reinigenden Bach-Zugabe war ein besonderes Erlebnis. ...“ (Abendzeitung, Nürnberg, 24. Januar 2005)

 

Die Kunst der Beherrschung

... Der Auftritt von Daniel Müller-Schott mit Dvoraks Konzert für Violoncello und Orchester h-moll op.104 traf auf ein entsprechend leichtsinnig animiertes Publikum, dennoch gelang es dem 28jährigen Ausnahmecellisten bereits nach wenigen Takten, die nötige Sammlung für diese Komposition zu erreichen, dem wohl anspruchsvollsten Werk für dieses Instrument.

Die hohen technischen Anforderungen meisterte er mit über allen Zweifeln erhabener Virtuosität, und so viel es leicht, sich auf die vollendet reife Interpretation dieses sehnsuchtsvollen Alterswerks zu konzentrieren. Eine Ahnung von begrabenen Hoffnungen und vergangenen Triumphen, ein Hauch von Endgültigkeit prägte diese Deutung.... (Nürnberger Zeitung, 24. Januar 2005)

 

Daniel Müller-Schott ist längst mehr als nur ehemaliger "Meisterschüler" der Anne-Sophie-Mutter-Stiftung, als der er ebenso ein internationales Sprungbrett vorfand wie dank seinem Sieg im Moskauer Tschaikowskij-Wettbewerb 1992.

Am Dienstag führte der Weg den deutschen Cellisten erstmals nach Salzburg, wo er in der Stiftungsreihe "Junge Künstler" im Wiener Saal des Mozarteums auftrat. Das knappe, aber intensive Programm führte von Schumanns Drei Fantasiestücken, op. 73, über Beethovens letzte, höchst kunstfertige und konzentrierte Sonate für Cello und Klavier (op. 102/2) in folkloristisch-populäre Gefilde (de Falla) und gehobene virtuose Unterhaltungsmusik mit Tiefgang (Gaspar Cassadó; "Le Grand Tango", 1980 von Astor Piazzolla für Mstislaw Rostropowitsch komponiert).

Der jederzeit elastische, samtdunkel grundierte Ton Müller-Schotts nahm sofort durch seine ganz eigene Note gefangen. So selbstbewusst das Auftreten des Cellisten auch wirkt, so frei und gelöst nimmt sich sein singend-schwebendes, intelligentes Spiel in jeder Phase des musikalischen Geschehens aus. Dabei geht er auch mit streng ausgeformten Notentexten wie bei Beethoven extravagant lustvoll und mit kreativem Geist um. Virtuosität steht ihm wie selbstverständlich zu Gebote, ohne dass er damit vordergründig prunken müsste.

Es ist vielmehr die natürliche Musikalität, die Daniel Müller-Schotts Spiel adelt. .. Was Müller-Schott (noch) kann beweist er übrigens auf zwei exzellenten CDs (bei Orfeo), die eine mit Haydn und Beethoven, die andere - im Doppelpack mit der Geigerin Arabella Steinbacher - mit dem quirligen Cellokonzert von Aram Khatchaturian. (KARL HARB, Salzburger Nachrichten November 2004)

 

Wie Orpheus es schaffte, wilde Tiere zu besänftigen

Gelungener Auftakt: Das Berliner Vogler Quartett eröffnete die Reihe der Raderbergkonzerte im Deutschlandfunk

Prächtige Eröffnung der Raderbergkonzerte im Deutschlandfunk-Sendesaal: Mit deftigem Klang und großer Emphase spielte das Berliner Vogler Quartett, unterstützt vom Münchner Cellisten Daniel Müller-Schott, das Streichquintett C-Dur D 956 von Franz Schubert.

Die Interpretation lebte von dramatischen Akzenten, etwa in den orchestralen Passagen der Kopfsatz-Durchführung. Wunderbares Einverständnis herrschte auch zwischen den beiden Cellisten, so im lyrischen Seitenthema. Dass sich der Solist Müller- Schott dem Quartett-Klang nahtlos einordnete, stand für seine Bescheidenheit wie für seine kammermusikalische Erfahrung. Den bis in die höchsten Cello-Lagen reichenden Part spielte er technisch und musikalisch souverän. Was diesem Schubert etwas fehlte, war das leise Singende, das Liebliche. Der untere Dynamikbereich wird beim Vogler Quartett mitunter zu wenig ausgekostet. Das ist schade, denn das Können und die Risikobereitschaft der vier Musiker um den Primarius Tim Vogler sind enorm.

Dennoch hätten härtere Kontraste etwa zwischen den Teilen des Adagios sicher nicht geschadet. Und das zu Beginn gespielte frühe Streichquartett Es-Dur D 87 war in seiner Darstellung ein wenig trocken. Dem klassisch orientierten Werk fehlte trotz des hohen Quartettspiel-Niveaus der rechte Charme. In dem 2003 für das Vogler-Quartett entstandenen Auftragswerk "Was Orpheus sah" des Berliner Komponisten Frank Michael Beyer konnten die Musiker jedoch alle Trümpfe ausspielen. Das von einem eindringlichen Melos durchzogene dreisätzige Werk erlebte eine intensive Wiedergabe.

Der Quartettklang war hervorragend abgestimmt und breit gefächert. Ein stimmiges Plädoyer für den antiken Sänger Orpheus, der selbst wildeste Tiere beschwichtigte. Auch deshalb war dieses Stück eine perfekte Ergänzung zu den vorangegangenen Schubert-Werken. (Kölnische Rundschau, 26.10.2004, MATTHIAS CORVIN)

 

Losgelöst vom Irdischen

Musikfest (I): Kammerorchester Heilbronn im Beethovensaal

Robert Schumann schrieb sich die Finger wund, um sein Violoncellokonzert op. 129 an den Verleger zu bringen. Uns heute ist das unbegreiflich, zumal wenn wir dieses Werk in einer Interpretation zu hören bekommen, wie die von Daniel Müller-Schott mit dem von Ruben Gazarian geleiteten Württembergischen Kammerorchester Heilbronn im Beethovensaal. Was Schumann beschwor, die von allem Irdischen losgelöste, in sich ruhende Heiterkeit, vermittelte Müller-Schott mit einem Spiel, das musikalisch so durchdacht und durchfühlt war wie technisch makellos.

Selten legt ein Cellist die komplizierte motivische Struktur dieser Musik so stringent offen und taucht das Ganze dabei auch noch in ein Meer von Farben, mit dem Schumann die Spätromantik visionär vorwegnahm und gleichzeitig die Idee eines Liedes ohne Worte seines bewunderten Kollegen Mendelssohn in Vollendung formulierte. ... (Stuttgarter Zeitung, 13.9.2004/ von Annette Eckerle)

 

Dreimal Gold beim Klassik-Marathon
„ .. Was aus Debütantinnen werden könnte, hat er vorgemacht: Daniel Müller-Schott ist mit seinen 28 Jahren mittlerweile vom Nachwuchstalent zum international anerkannten Künstler aufgestiegen. Als Gastmusiker beider Veranstaltungen taucht der Cellist zunächst das erste Konzert in C-Dur von Joseph Haydn in mal satte, mal zarte Pastell-Klangfarben. Kostet in Schumanns Konzert a-moll jede Phrase, jede Note aus. Bei ihm reagieren die Virtuosi Kuhmo prompt: offerieren die zartesten Pianissimi, trumpfen nur in den Tuttipassagen auf – mit exzellenter Deutlichkeit in den schnellen Passagen. So manche imaginäre Goldmedaille wurde Müller-Schott schon überreicht – im Zusammenspiel mit Anne-Sophie Mutter, André Previn oder Christoph Eschenbach etwa - , weitere werden gewiß folgen....“ (Ursula Böhmer; FAZ, 24. August 2004)

 
Cellist Daniel Müller-Schott enthusiastisch gefeiert (Ostsee-Zeitung.de)
 

Das Orchestre Philharmonique de Monte Carlo unter Marek Janowski zusammen mit Daniel Müller-Schott in Ludwigsburg.

Über das Schumann Cellokonzert aus der Stuttgarter Zeitung, 10.07.04 : "...Schumanns Cellokonzert geriet so zur Gegenüberstellung von zwei Musikertemperamenten: Janowski, dem präzisen Disponenten, und dem Cellisten Daniel Müller-Schott, einem Poeten auf vier Saiten. Doch siehe da: es funktionierte. Müller-Schott spielte aus dem Herzen, mit einem berückend sonoren, variabel-schlanken Ton. Janowski nahm die Inspiration auf und ließ seine Musiker alles spielen, was sie können." (Stuttgarter Zeitung, 10.07.04)

 
Anne-Sophie Mutter, André Previn und Daniel Müller-Schott. Die Trio Tournee 2004 - ein großer Erfolg! Die Pressestimmen.
 
Weilburger Musikfestspiele
 

Brahms und Beethoven mit hinreißendem Feuer
Live-Übertragung im Hörfunk: Weilburger Musikfestspiele begannen am Samstag in der Schlosskirche mit einem Konzert des Radiosinfonieorchesters Frankfurt

Mit gleichermaßen eingängiger wie – besonders solistisch betrachtet – anspruchsvoller Musik begannen am Samstagabend die Weilburger Internationalen Festspiele in der fürstlichen Residenz. Inzwischen können sich die Schlossfestspiele auch entsprechenden Publikums erfreuen, hörte man doch beim Rundgang durch den gepflegten Park diverse Sprachen. Im Zentrum des Interesses stand aber wie üblich die Sprache des Tons, der die Musik macht. Als Rahmen hatten die Veranstalter die festlichere Alternative im Kirchensaal gewählt; der Renaissancehof wäre wegen des zuvor unsicheren Wetters ein Risiko gewesen. Zahlreiche Mikrofone und einleitende Worte erzeugten eine gewisse exogene Spannung, denn das Konzert wurde live in hr 2, hr Klassik und SWR 2 übertragen (Wiederholung der Aufzeichnung am 5. Juli um 20.15 in Radio-Kultursommer 2004).

Der Gastauftritt des hessischen Rundfunkorchesters zum Auftakt in Weilburg bot überdies noch mehr Besonderes, da er vom musikalischen Nachwuchs geprägt war: Das hochqualifizierte, traditionell an Live-Sendung gewöhnte Radio-Sinfonieorchester Frankfurt stand unter der Leitung eines 25-jährigen Dirigenten aus Schweden: Stefan Solyom. Der Leiter des Nordic Youth Orchestra in Lund/Schweden hatte nach Studium in Stockholm und Helsinki schnell internationale Erfolge erreicht und wird sowohl an Opern- als auch Konzertbühnen als Shooting Star »gehandelt«. Am Pult des RSO hat er im vorigen Jahr debütiert.

Quasi künstlerisch zu Hause in Weilburg ist Julia Fischer (20), die sich vor fünf Jahren erstmals bei den Schlossfestspielen vorgestellt hat und – inzwischen international tätig – ihnen treu geblieben ist. Sie übernahm den Violinpart in Johannes Brahms’ Doppelkonzert a-Moll op. 102. Mit Daniel Müller–Schott (28) als Cellisten war am Samstag ein kongenialer Solist ihr Partner. Beide wurden schon als Jugendliche mit diversen internationalen Auszeichnungen bedacht. Inzwischen das »Traumpaar der Klassik«, überzeugten sie mit Musikalität, technisch überragendem Können und lebendigem Dialog. Hohen Anteil hatte der Klang ihre Instrumente daran, allen voran Fischers »Booth«-Violine (Stradivari, 1726), der sie machtvolle Doppelgriffe sowie lyrische Pianissimi entlockte. Die Zwiesprache in den drei Sätzen war wunderbar aufeinander abgestimmt; die sinfonisch wirkende Vielfalt des Allegros machte bereits die ganze Spannweite der Ausdruckspotenz deutlich. Der Schönklang des liedhaften Andante-Themas verebbte in einem »endlosen« Abstrich der Solisten, und der temperamentvoll und mit jugendlich-feurigen Ausbrüchen musizierte Schlusssatz ließ keine Wünsche offen.

Im Einvernehmen mit dem Dirigenten, der sowohl in lyrischem Wohlklang als auch kontrastreicher Dynamik die unsichtbaren Fäden zwischen Solisten und Ensemble straff in der Hand behielt, gestalteten die Musiker das Brahms-Konzert zu einem »Event«, der am Schluss mit begeistertem Trampelbeifall gefeiert wurde. In der Zugabe der ursprünglich für Violine und Viola geschriebenen »Passacaglia« des Norwegers Johan Halvorsen (1864-1935) bestachen Fischer und Müller–Schott mit einem höchst virtuosen Beispiel exzellenten Zusammenspiels.… (Olga Lappo-Danilewski, Gießener Allgemeine, 07. Juni 2004)

 

Kunst kommt vom Müssen, nicht vom Können
Julia Fischer und Daniel Müller-Schott mit dem Doppelkonzert von Brahms im Weilburger Schloß

In dem neuen Dokumentarfilm "Die Spielwütigen", der am vorigen Donnerstag deutschlandweit in den Lichtspielhäusern Premiere hatte, begleitet Regisseur Andres Veiel ("Black Box BRD") über einen Zeitraum von sieben Jahren hinweg vier Absolventen einer Schauspielschule, die ihren Beruf ungeachtet zahlreicher Hürden mit atemberaubender Zielstrebigkeit ansteuern. Jeder von künstlerischen Ambitionen unbelastete Zuschauer lernt daraus, daß Kunst nicht vom Können, sondern vom Müssen kommt. Für Komponisten wie Gustav Mahler oder Arnold Schönberg war diese Erkenntnis noch eine Selbstverständlichkeit. Man wird jedoch auch daran erinnert, wenn man das Duospiel der 20 Jahre alten Geigerin Julia Fischer und des acht Jahre älteren Cellisten Daniel Müller-Schott erlebt.

Die beiden Musiker aus München sind derzeit mit dem Brahms-Doppelkonzert unterwegs, und es gibt immer mehr Konzertveranstalter, die dieses Ereignis ihren Besuchern präsentieren möchten. Im Staatstheater Darmstadt war das Duo unter der Leitung von Stefan Blunier zu erleben (F.A.Z. vom 10. März). Jetzt waren die jungen Künstler bei den Weilburger Schloßkonzerten zu Gast, wo sie zusammen mit dem Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt und dem 24 Jahre alten Gastdirigenten Stefan Solyom das Eröffnungskonzert bestritten.

Fischer und Müller-Schott gehören nicht zu jenen Instrumentalisten, die aus bloßer technischer Perfektion heraus ein hochvirtuoses Spiel um seiner selbst willen betreiben, obwohl auch eine solche Haltung in so jungen Jahren immerhin auf Ausnahmetalente verweisen würde. Die beiden Künstler wollen und erreichen mehr, indem sie ihre so emotional wie ausgereift wirkende Interpretation als eine organische Mischung aus Körpergefühl und intellektueller Kontrolle präsentieren, mit der die Musik stilsicher und ausdrucksstark gestaltet wird. Mit "stupendem Spiel", wie man früher immer gern etwas einseitig scheinende Virtuosen-Hochleistungsakte kennzeichnete, hat das wenig zu tun. Daß Brahms' Konzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102 dafür auch gar nicht taugt, vielmehr ein facettenreiches Werk mit erheblichem Konfliktpotential darstellt - daraus machen die beiden Streicher keinen Hehl. Der Komponist selbst hat es als Versöhnungsakt in einem Streit zwischen Freunden "inszeniert". Für die Gestaltung der eng miteinander verzahnten Solostimmen sind Fischer/Müller-Schott auch insofern ideale Partner, als sie eine staunenswerte Sensibilität für eine gleichschwingende musikalische Kommunikation besitzen.

Unter der Leitung des schwedischen Gastdirigenten Stefan Solyom waren die Musiker des Radio-Sinfonie-Orchesters Frankfurt in der akustisch nicht leicht zu bewältigenden Weilburger Schloßkirche mehr als nur solide Partner. Die bestehende Medienpartnerschaft dieses Sommerfestivals mit dem Hessischen Rundfunk bewirkt immer auch den oft segensreichen Einsatz der hauseigenen Klangkörper. … (Harald Budweg, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07. Juni 2004)

 

Imponierendes Doppelgestirn am Weilburger Konzerthimmel

Es war ein musikalisch leidenschaftlicher Abend, ein Auftakt der Schlosskonzert-Saison nach Maß. Nicht das Württembergische Kammerorchester Heilbronn, wie es Tradition ist, eröffnete diesmal das Weilburger Musikfestival sondern das Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt, das ja eine Medienpartnerschaft mit den Weilburger Schlosskonzerten pflegt.

Aus diesem Grund wurde das Konzert am Samstag aus der ausverkauften Schlosskirche auch live übertragen. Auf diese Weise konnten viele Hörer am Rundfunk das außergewöhnliche musikalische Ereignis mit erleben.

Weilburg. Es war schon immer ein besonderes Anliegen der Weilburger Schlosskonzerte, jungen, begabten Solisten eine Plattform zu bieten, um ihr Können einem größeren Publikum zu präsentieren. Daran hat sich bis heute nichts geändert.

Vor fünf Jahren war es die junge Geigerin Julia Fischer, die in Weilburg ihr Debüt geben konnte. Es war der Start zu einer steilen Karriere. Julia Fischer hat dies nicht vergessen und ist in den folgenden Jahren mit einer einzigen Ausnahme - das Jahr, in dem sie Abitur machte - immer wieder bei den Weilburger Schlosskonzerten aufgetreten.

Diesmal kam sie zusammen mit dem nicht minder begabten jungen Cellisten Daniel Müller-Schott, mit dem sie zusammen mit dem Frankfurter Rundfunkorchester das Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester von Johannes Brahms spielte - ein Doppelgestirn am Konzerthimmel.

Die Interpretation der beiden Künstler wurde zu einem überwältigenden musikalischen Ereignis. Dazu trug der Dritte im Bunde, der erst 25 Jahre alte schwedische Dirigent Stefan Solyom ebenfalls bei, der mit dem Frankfurter Orchester souverän begleitete.

Julia Fischer spielt eine kostbare Stradivari aus dem Jahr 1726, Daniel Müller-Schott ein Gofriller-Instrument von 1725 aus Venedig. (Weilburger Tageblatt, 07. Juni 2004)

 

Traumwandlerisch sicheres Spiel

Beide Solisten besitzen eine souveräne Technik und bestechen durch ein traumwandlerisch sicheres Zusammenspiel. Auf diese Weise erreichte das etwas spröde Brahms-Konzert, das immer etwas im Schatten der anderen Solo-Konzerte des Komponisten stand, eine außergewöhnliche Schönheit trotz aller Strenge.

Schon der virtuose Vortrag der beiden einleitenden Kadenzen der Soloinstrumente betörte das Publikum und nahm es ganz gefangen. Vor allem Julia Fischer riss die Initiative schnell an sich mit einem resoluten Ton, der bisweilen explosionsartige Energie verströmte.

Daniel Müller-Schott beantwortete diese Attacken durchaus energisch, aber mit etwas weicheren Linien. So entstand zwischen den beiden kongenialen Solisten eine vibrierende Spannung.

Brahms hat die Solopartien nicht außergewöhnlich herausgehoben, sondern eher in den Fluss des Orchesters eingebettet. Julia Fischer und Daniel Müller-Schott gaben ihrem Spiel aber jederzeit eine herausragende Selbständigkeit, ohne sich aus dem Gesamt der Komposition herauszulösen.

In den beiden Ecksätzen wurden die Kanten der Komposition deutlich herausgearbeitet, im Mittelsatz der innig strömende Gesang des Andante weich zelebriert. Der Zusammenklang von Virtuosität und Gestaltungskraft ergab eine hinreißende Interpretation, die vom Publikum nachhaltig gefeiert wurde.

Zum Dank spielten Julia Fischer und Daniel Müller-Schott noch eine Passacaglia von Johan Halvorsen - ein virtuoses Feuerwerk. … (Heinz Kleiter)

 

Junge Musiker stürmen ein Gebirge aus Klang
Grandios eröffnete das Radio-Sinfonie-Orchester Frankfurt die Weilburger Schlosskonzerte mit Brahms und Beethoven.

Das Etikett «Nachwuchstalent» will an ihnen nicht mehr so recht haften bleiben. Die beiden Solisten dieses Abends haben sich binnen weniger Jahre in die Elite einer jungen Generation gespielt, die ganz selbstverständlich auf den Konzertpodien in aller Welt zu Hause ist. Die Geigerin Julia Fischer (geboren 1983), die vor fünf Jahren das erste Mal in Weilburg gastierte und bereits 2003 beim «Auftakt»-Festival in der Frankfurter Alten Oper mit einem Interpretenporträt gewürdigt wurde, und der 28-jährige Cellist Daniel Müller-Schott, ebenfalls in der Alten Oper mit seiner Mentorin Anne-Sophie Mutter beim gemeinsamen Auftritt gefeiert, gelten mittlerweile als musikalisches Traumpaar. Wie die beiden Instrumentalisten die kompositorische Vision von Brahms’ Doppelkonzert in der Weilburger Schlosskirche Wirklichkeit werden ließen, mit welcher künstlerischen Intelligenz, technischen und gestalterischen Souveränität sie sich dieses anspruchsvolle Werk zu Eigen machten, war schon eine kleine Sensation.

Brahms verlangt in seinem Spätwerk keine virtuosen Selbstdarsteller, sondern sensible «Erzähler», die fähig sind, klanglich miteinander zu verschmelzen und sich ganz in das Orchestergeschehen zu integrieren. In diesem Sinn gelang den beiden Jungstars eine Interpretation, die von erstaunlicher Reife zeugte, aber nicht auf Spontaneität und jugendlichen Impetus verzichtete, von dem auch die hinreißende Zugabe, die Bearbeitung einer Passacaglia des Norwegers Johann Halvorsen, getragen war. … (Michael Dellith, Frankfurter Neue Presse, 07. Juni 2004)

 

Der Beleuchter und seine Solisten

Stefan Solyom dirigiert das Frankfurter RSO beim Auftakt der Weilburger Schlosskonzerte mit Julia Fischer und Daniel Müller-Schott
Stefan Solyom, raunt es von allen Seiten, sei der Geheimtipp, von dem werde man noch manches hören: skandinavische Schule, 24 Jahre jung, am Freitag noch als Dirigent in Stockholm an der Oper, am Samstag schon mit den Frankfurter Radio-Sinfonikern bei der Eröffnung der Weilburger Schlosskonzerte am Pult, mit gewichtigem Programm: Brahms' Doppelkonzert a-moll op. 102 und Beethovens Siebte .

Aber erst einmal schlägt die Stunde der Solisten. Julia Fischer, Geige, und Daniel Müller-Schott, Cello, spielen Brahms' Doppelkonzert in einer ungemein gewinnenden, persönlich eingefärbten und entwaffnend virtuosen Weise. Das altbackene Männerfreundschafts-Motiv, mit dem dieses Werk gern überblendet wird, indem es als Versöhnungsgeste Brahms' gegenüber seinem Freund, dem Geiger Joseph Joachim, gedeutet wird, ist vom ersten Augenblick an überholt: Wenn das schon ein Beziehungs-Fall sein soll, der hier musikalisch verhandelt wird, dann ist es keiner aus einem vergangenen Jahrhundert. Julia Fischer verfügt über eine ungemein variable Tongebung. Sie kann schneidend scharf, eruptiv fies und dominant sein und an Clara Schumanns Satz erinnern, dass es Brahms "Vergnügen mache, es dem Hörer nicht wohl werden zu lassen"; sie kann sanft, verschnurrt und verspielt klingen, und sie kann dramatische Register ziehen, die ihrem Partner nichts schenken und beim Hörer nichts zu wünschen übrig lassen.

Cellist Daniel Müller-Schott ist dieser Grandezza und der dramaturgischen Ausdrucksfülle in jedem Punkt gewachsen, ein Standortnachteil des tieferen Registers ist nicht erkennbar, und die insgesamt freundlich gestimmte Entwicklung des Stückes zu einer bewegten Symbiose beider Instrumente - der Brahms'schen "Riesengeige" - wird von den beiden so interpretiert, dass rhythmische Reibungen, Ungleichzeitigkeiten, kleine und mittelgroße Freiheiten erhalten bleiben, während das hervorragend aufgelegte RSO respektvoll und dynamisch flexibel den klanglichen Bühnenraum für das dreiaktige Drama mit Happy End malt.

Solyom, der der gleichen Generation wie die beiden Solisten angehört, zeigt seine Größe zunächst vor allem im Verschwinden. Wie ein Bühnenbeleuchter, der genau weiß, um was es geht, auf den selbst aber kein Licht fällt, achtet er auf Detailarbeit, auf die Inszenierung der Protagonisten, auf ihre Räume und die Präzision der Hintergründe und schafft so ein Aufführungsklima der Verlässlichkeit, in dem sich die Solisten austoben können. … (Hans-Jürgen Linke, Frankfurter Rundschau, 07. Juni 2004)

 

Diesen Kuss dem ganzen Saal

Im März 1845 schrieb Felix Mendelssohn Bartholdy seiner Schwester Fanny über die gerade begonnene Arbeit an seinem zweiten Klaviertrio c-moll op. 66: "Heut ist zum erstenmal jene bewußte Luft draußen, in der alles Eis und alle Winterkälte schmilzt." Dieses Gefühl verbreitete sich während des VII. Konzerts des verdienstvollen Mendelssohn-Zyklus im Robert-Schumann-Saal. Zeichneten sich die bisherigen Folgen dadurch aus, dass sie den Komponisten unter dem Horizont seiner Nachwirkungen präsentierten, so gab es jetzt einen Blick zurück auf seinen musikalischen Ahnherrn: Johann Sebastian Bach.

Außer Mendelssohns fast nie zu hörendem c-moll-Klaviertrio und seinem älteren, seit Schumanns Lob beliebten Pendant in d-moll standen zwei Solowerke Bachs auf dem Programm: Daniel Müller Schott spielte die Suite Nr. 3 C-Dur für Violoncello und Julia Fischer die Sonate Nr. 1 g-moll für Violine. Mit dem französischen Pianisten Jonathan Gilad verbanden sie sich in beiden Klaviertrios.

Dass Mendelssohn als Dirigent 1829 die "Matthäus-Passion" zur Neuentdeckung verhalf, ist so bekannt wie seine Reverenz vor dem Orgelkünstler Bach. Doch diese Liebe hat ihn nie zu nachahmender Altmeisterlichkeit verführt, immer trieb ein jugendlicher Impuls sein kompositorisches Schaffen an. Das zeigten die drei Triopartner, allesamt noch Twens, mit ihrem vor Kraft, Feinsinn und Formgefühls schier berstenden Impetus.

Was für ein Meisterwerk der durchbrochenen motivischen Arbeit das c-moll-Klaviertrio ist, machte schon der Anfang des "energisch und feurig" gespielten Kopfsatzes klar. Und dass der Komponist in geheimnisvolle Tiefen abtauchen konnte, ließ den Eintritt der Durchführung zum Mysterium werden.
Zum Schwärmen gerieten auch die anderen Sätze und das d-moll-Trio, wobei die Unisono-Passagen der Streicher den Gleichklang von Stil und Gefühl verrieten, der Pianist die heikle Akustik des Saals mit delikatem, auch im Fortissimo nie dröhnendem Anschlag vergessen machte. Ensemblespiel dieser Intensität und Genauigkeit ist ein Glücksfall, und dass die Musiker sich nach jedem Trio dankbar umarmten, war nicht jugendlichem Übermut zuzuschreiben, sondern jener gesellschaftlichen Bindungskraft, die hochrangiges Musizieren freisetzt: Diesen Kuss dem ganzen Saal.

Herausragend auch die Solowerke Bachs. Julia Fischer, mit einer noch unter Hochdruck schwerelosen Bogenführung wie einst Henryk Szeryng aufwartend, baute in der Fuge auch dynamisch eine Riesenarchitektur auf. Die rhythmisch unerschütterliche Strahlkraft ihres Spiels strahlt eine herbe Süße aus, der Daniel Müller-Schott in der C-Dur-Suite die Sonorität einer nicht minder süßen Herbe entgegenstellte.

Wenn er nach der virtuos hingezauberten Courante die elegische Sarabande und die zweite Bourréee ohne Vibrato intoniert, weiß man, dass er nicht dem Gefühlsüberschwang eines Mstislaw Rostropowitsch verpflichtet ist. Es gibt auch ein strenges Glück, in dem jedes Eis schmilzt.

Die Ovationen des Publikums beantworteten die Künstler mit einer Ehrerbietung vor dem Namensgeber des Raums: der in Düsternis versinkenden Romanze aus den "Fantasiestücken" op. 88. (ULRICH SCHREIBER, Rheinische Post, 27. Mai 2004)

 
Mai 2004

Aus dem Brief eines französischen Musikers an Daniel Müller-Schott über das Konzert in Paris zusammen mit Anne-Sophie Mutter und Kurt Masur (in Übersetzung):

... Wie Sie vielleicht wissen, hat es Brahms bei uns in Frankreich nicht immer ganz leicht. Was Sie und Frau Mutter jetzt hier im Doppelkonzert geleistet haben, grenzt ans Wunderbare: ein wirklich atemberaubend perfektes Zusammenspiel, soviel romantisches Feuer und Tiefe des Ausdrucks ließen das Doppelkonzert zu einem sehr selten gewordenen musikalischen Ereignis werden. Man wird sich daran gewiss noch lange erinnern. Brahms hat dank Ihrer beider Kunst und des ausgezeichneten Kurt Masur einen wundervollen Triumph gefeiert. Sie sollen wissen, daß das Publikum hier mitunter nicht so leicht zu begeistern ist. Wenn es an diesem Abend in solche Beifallsstürme ausbrach und die Solisten geradezu zwang, einen vollständigen Satz zu wiederholen (und die Wiederholung des Andante schien mir noch schöner zu sein!), dann ist das sehr außergewöhnlich. Man kann nur dankbar sein für diese unvergleichliche Aufführung ...

 
Pressestimmen zum Konzert in Paris:

... Es ist Daniel Müller-Schott, der nach der Orchestereinleitung von Beginn an eine expressive Dichte vorgibt, die nicht einen Augenblick nachlässt, in der Qualität seines Tones, in der Tiefe seiner Interpretation und in seiner Ausdruckskraft: ein junger Cellist, der den Eindruck vermittelt, sich mit vollem Risiko in die Musik geradezu hineinzuwerfen. Dieser Überschwang versetzte das Publikum in hellste Begeisterung, und nach zahlreichen Hervorrufen wurde der ganze Andantesatz als Zugabe wiederholt. (concertonet.com, März 2004)

 

Rezension der Konzerte mit dem Orchester des Staatstheaters Darmstadt unter Stefan Blunier:

Im Zeichen der Melancholie

...Zu einer in dieser Intensität selten zu erlebenden Delikatesse und darüber hinaus zu einer halben Sternstunde musikalischer Erfüllung geriet im Anschluß an Trojahns hochinteressante Annäherung ausgerechnet jenes späte Brahms-Opus, das gewöhnlich für außergewöhnlich spröde gehalten wird: das 1887 konzipierte, als Versöhnungsakt mit dem verloren geglaubten Geiger-Freund Joseph Joachim gedachte Konzert für Violine, Violoncello und Orchester a-Moll op. 102. Blunier und die Darmstädter Musiker sorgten für Schwung und Frische in engster Abstimmung mit den Solisten. Diese - die junge Geigerin Julia Fischer und ihr nur wenig älterer Musizierpartner Daniel Müller-Schott - offenbarten sich als ein perfekt miteinander abgestimmtes Duo, das die passagenweise fantasieartig und improvisiert wirkenden Solopassagen der Komposition in einem äußerst spannungsvollen Espressivo aufblühen ließ. So wurde der gewöhnlich als schwierig und lang empfundene Kopfsatz zu einem beeindruckenden Hörerlebnis, wohingegen es weit weniger Anstrengungen seitens der Interpreten bedurfte, die quasi kammermusikalisch intime Faktur des Andante und den tänzerischen Duktus des finalen Vivace non troppo herauszuarbeiten. Der Beifall war außerordentlich und führte zu einer virtuosen Händel-Bearbeitung von Johan Halvorsen als Zugabe..." (HARALD BUDWEG, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.2004)

 
The London Times after the Wigmore Hall recital
of Daniel Müller-Schott February 23, 2004

Müller-Schott/Kulek
By Hilary Finch
Concert
Wigmore Hall

THERE for the spotting in a sizeable audience was the cellist Steven Isserlis - and, for a moment, it seemed as though he had tied his hair in a ponytail and got up on stage as well. Isserlis was there to hear his pupil, the young Daniel Müller-Schott: they certainly share the same distinctive body language - head thrown back, body rocking from side to side as an extension of the cello, and a dashing sweep of the bow as a phrase is conjured into reverberant new life.

Müller-Schott was the youngest first prize-winner of the Tchaikovsky
International Competition when he was 15, and his own musical character is still being formed. The musical moulding has been helped by the personal sponsorship of Anne-Sophie Mutter, whose foundation has lent him a cello. So, one way and another, he would appear to be on the fast track to success.

His opening piece, Beethoven’s Variations on Mozart's Bei Männern , certainly etched his fastidious and highly intelligent musicianship clean and clear on the memory. Short bowing, deftly inflected phrasing, and a true chamber-musician’s sensitivity to the imagination and character of his pianist, Robert Kulek, distinguished this particular performance.

Müller-Schott is a natural Schumann player, too. The Three Romances epitomise the composer as dreamer. While Wagner was joining the Dresden demos in 1849, Schumann retreated ever further into himself. It was that sense of deep privacy, of a fragile spirit drifting in and out of consciousness which was captured so well by Müller-Schott. He blended colour and register almost imperceptibly, each miniature song tremulous with fast vibrato and supple melodic contours.

Debussy's Cello Sonata focused on the classicist within the composer: there was élan enough for the passages of rhetoric, but also a taut grasp of their development... When Pierrot pouted in front of the moon in the central danse macabre, the sheer expressive range of his pizzicato conjured up an entire commedia dell’arte.

César Franck's Sonata in A took up the entire second half, but this was a gentle giant. Kulek pedalled and sustained a rainbow of resonances on the piano, as Müller-Schott’s silky melodic lines slipped between his fingers. More languid than lithe, there were times when this performance lacked just that edge of tension and intensity which is vital to this arrangement of a work originally conceived for violin. But watch this space: Müller-Schott is travelling fast.

 
Januar 2004: Besprechung im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung nach dem Recital im Münchner Herkulessaal

Von der Gründlichkeit des Virtuosen

Daniel Müller-Schott und Robert Kulek spielen Werke von Schumann, Beethoven, Franck und Sir André Previn in München

Der Münchner Cellist Daniel Müller-Schott, Jahrgang 1976, ist ein Prototyp zeitgenössischen Virtuosentums. Müller-Schott sitzt vorbildlich am Cello und beherrscht es vollkommen. Vom ersten bis zum letzten Ton dieses eindringlichen Abends erklang nichts beiläufig, uninteressant oder unengagiert. Der Cellist verfügt über einen tragenden, eher im Hellen angesiedelten Ton. Andere mögen mit gewaltig ausschwingendem Vibrato und Stentorkraft im Bogen das Volumen steigern, laufen dabei aber Gefahr, Kontur und Körper des Tons verlieren zugunsten formlos wummernder Lautstärke.

Dergleichen gibt es bei Müller-Schott nicht. Sein Ton behält stets Façon; Griffsicherheit und Intonationsgenauigkeit bestechen, vor allem aber überzeugt seine Aufmerksamkeit beim Finden von Klangfarben, darin sehr gut mit Robert Kulek korrespondierend, der besonders bei der sich etwas hinziehenden, in mancherlei Anklängen an Strauss, Prokofjew und Bloch auch redseligen Sonate von Sir André Previn Reaktionsschnelligkeit, Pointierungssicherheit und bei César Francks Meisterwerk Anschlagspoesie und Nuancierungsreichtum vom Besten bot. Müller-Schott traf die versonnene, vermeintlich heitere Melancholie von Schumanns Fantasiestücken, ohne sie mit Cellobravour aufzuzäumen. Die konnte er in Previns dreisätzigem Stück glänzend beweisen, wo die vielen Klanggestalten manchmal nur aufblitzen, sich dann wieder in elegischen Kantilenen ergehen oder im witzigen Kostüm eines Pizzikatobasses daherkommen.

...Schließlich siegten beide mit der César-Franck-Sonate. Vor allem im dritten Satz gelang es Müller-Schott, Rezitativ und rhapsodischen Aufschwung wunderbar als musikalischen Prozess aus einem Bogen darzustellen. Gewiss, das Ur-Instrument dieser Sonate, die Geige, kann man nicht vergessen. Aber wie Müller-Schott und Robert Kulek Konstruktion, Geist und Farbigkeit dieses Werkes vergegenwärtigten ohne Cellopathos oder Sentimentalität, war imponierend. Für den großen Beifall im vollen Münchner Herkulessaal bedankten sich die Künstler mit Ravels klug ausgereizter "Habanera". (HARALD EGGEBRECHT, Süddeutsche Zeitung, 16. Januar 2004)

 

Schumann Konzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester:
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Vor wenigen Wochen war er beim Musikfest (zusammen mit der Geigerin Julia Fischer) in Brahms" Doppelkonzert zu hören gewesen, nun stattete der Cellist Daniel Müller-Schott mit Schumanns Konzert a-Moll op. 129 Stuttgart erneut einen Besuch ab. Damals wie heute begeisterte er die Zuhörer mit seiner hoch motivierten und reflektierenden Gestaltungsweise, die zwischen einem vital drängenden, tonlich vollblütigen, doch nobel abgezirkelten Gestus und einer warmen, empfindungsreich nach innen gewandten Phrasenführung zu einem immensen Spektrum diffizilster Klanggebung findet.
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Auch bei Ernest Blochs drei Stücken aus dem Zyklus "From Jewish Life" handelte es sich in der dargebotenen Fassung für Violoncello und Streicher um eine Bearbeitung (Christopher Palmer). Daniel Müller-Schott ließ hier im arabisch gefärbten Klangkolorit sein Cello voller Melancholie singen, und das Stuttgarter Kammerorchester wusste ihn, auch wenn es seinen Elan und seine Sensibilität nicht immer mit demselben Feinsinn beantwortete, doch solide abzusichern. (Thomas Bopp, Stuttgarter Nachrichten, 7.10.2003)

Daniel Müller-Schott erhält für sein Konzert am 08. Juli 2003 zusammen mit dem Kammerorchester des BR die tz-Rose für herausragende künstlerische Leistungen. Das Konzert war gleichzeitig eine Neueröffnung des Saals in Schloß Nymphenburg, München. Die TV-Aufzeichnung wird im September 2003 zu sehen sein.

Ohne Staub, blitzsauber
"...Besser mischt sich der Gesamtklang in Haydns C-Dur-Cellokonzert, gespielt vom Münchner Cello-Wunder Daniel Müller-Schott. Mit plastisch vorgelebten Klanggesten, einer blitzsauberen Technik und hinreißender musikalischer Frische zeigt er, dass auf Haydn nicht das kleinste Staubkörnchen ruhen muss. Im frei ausgesungenen Adagio, einem nobel durchgeformten Eingangs-Moderato und einem furiosen Finale lauscht Müller-Schott dem Stück vielfarbige Nuancen ab. Jubel." (TZ-München, 10. Juli 2003, Julia Waldstein)

 

Konzerte mit Daniel Müller-Schott in der Orangerie
Edler und fein schattierter Ton - Kulinarisches Vergnügen an der Sinnlichkeit der Klänge

Als sich Daniel Müller-Schott im Bach-Jahr 2000, damals noch keine 24 Jahre alt, gleich ans Allerheiligste der Cello-Literatur wagte und es auf CD einspielte, war erst einmal die Verblüffung groß. Die Reaktionen darauf fielen dann ziemlich ähnlich aus: So jung, so mutig, so reif. Dies gilt noch immer. Nur die Einschätzung im Begleitheft zur Aufnahme kommt einem inzwischen zu vorsichtig vor: "Daniel Müller-Schott zählt heute zu den herausragenden Cellisten seiner Generation" - zu den "herausragenden Cellisten" würde genügen. Die vermeintliche Einschränkung "seiner Generation" ist aber gleichzeitig ein Hinweis, wieso er Bach spielt, wie er ihn nun auch bei der Bachwoche gespielt hat. Den dogmatisch verhärteten Lagerstreit zwischen sogenannten Historisten und Romantikern, der bis weit in die achtziger Jahre ging, muss Daniel Müller-Schott nicht mehr durchkämpfen. Vielleicht klingen darum seine Bach-Deutungen - er spielte die zweite, vierte und sechste Suite - so mühelos und selbstverständlich. Nichts begreift er starr und schematisch, er bindet die Einzelsätze in eine übergreifende Kontrastdramaturgie ein und modelliert selbst kleinste Details berückend schön, mit kulinarischem Vergnügen an der Sinnlichkeit der Klänge - die aber ist bei ihm epochenbewusst differenziert. Müller-Schott bringt bei alldem zusammen, was vor 20 Jahren noch unmöglich schien: einen sehr edlen, äußerst fein schattierten Ton und einen Grundgestus, der hörbar macht, aus was die Suiten bestehen: aus Tänzen - und eben nicht aus den Gesprächen eines einsamen Genies mit der Weltenseele.Aber, auch das kann Daniel Müller-Schott zeigen: Tänze können klingende Metaphysik sein - Préludes sowieso. Man muss nur hören, aus welch unendlicher Ferne das d-Moll Prélude herüber- weht, bis es sich materialisiert. Oder wie er die Sarabanden der drei Suiten begreift: luftig und durchscheinend allesamt, die erste tastend, die zweite in sich versunken, die dritte singend entrückt. Noch schwerer ist vielleicht Humor in die Musik zu bringen, Humor - nicht Komik, Satire oder Parodie. Bei Daniel Müller-Schott steckt er in der zweiten Bouree. Wie riesig die Stilbreite des jungen Cellisten ist, lassen dann - nach den Ovationen - die beiden Zugaben ahnen, ein witziges Gitarrenstück und vor allem Ernest Blochs "Gebet". Üppig sonores Espressivo. Dann: gebannte Stille. (Fränkische Landeszeitung, 28.07.2003, Thomas Wirth)

Am Sonntagmorgen dann ging es um den Wettstreit zwischen Cembalo und Klavier und auch zwischen Gambe und Cello, der im Zuge der Originalklangbewegung vor mehr als zehn Jahren seinen Höhepunkt gefunden hat. Wir sind heute diesbezüglich konzilianter geworden und betrachten die Verwendung anderer Instrumente nicht mehr als ein Sakrileg - wenn gut gespielt wird.Und es wurde! Die drei Sonaten BWV1027 - 1029 für Viola da Gamba und Cembalo werden selten gespielt, einfach, weil die Gambe ein Fall für wenige Spezialisten geworden ist und das Cello mit seiner reduzierten Saitenzahl spieltechnisch anspruchsvollere Voraussetzungen fordert. So muss der Cellist das Fehlen von meist zwei Saiten durch häufigeren Lagenwechsel und auch durch das Spielen in der oberen Daumenlage ausgleichen. Mit variationsreichem Strich, mal seidenfadendünn, mal breit, korrespondierte das Cello mit dem Klavier in fließender und sprechender Melodik. Schier schien das Klavier an manchen Stellen übermächtig mit seinen gläsernen, oft harten Tönen, doch spätestens im Andante verzahnten sich beide Oberstimmen, und Daniel Müller-Schott und Robert Kulek fanden wieder zusammen zum einträchtigen Zwiegespräch.

Ein Geist - eine Interpretation
Eine erfolgreiche Korrespondenz ist aber nur möglich, wenn beide Künstler sich zu identischer Interpretation zusammenfinden und, wenn beide den gleichen Gestaltungswillen haben. Besonders detaillierte Absprache beider Interpreten verlangt die D-Dur-Sonate, da sämtliche Verzierungen unterschiedlich notiert sind. Doch auch hier atmete ein Geist aus dem Spiel von Müller-Schott und Kulek, der Geist von musikalischer Reife, ausgeschmückt durch substanz- und farbenreiche Töne. Während beim Vater Bach und seinen drei Gambensonaten beide Instrumente sich eher gleichrangig im Dialog zueinander stehen, gibt Sohn Carl Philip Emanuel eindeutig dem Cello eine Sonderstellung. Seelenvoll, sehr sanglich und weich weist diese Sonate schon in eine neue Epoche. Dass beide Künstler sich bei schier unerträglich tropischen Temperaturen auch noch zum ersten Fantasiestück von Schumann als träumerischer Zugabe durch den begeisterten Applaus bewegen ließen, verdient ein besonderes Bravo. (Fränkische Landeszeitung, 28.07.03, Gabi Zahn)

 
Latest Review from The Irish Times (excerpts):

Vogler Spring Festival 2003
The monuments of Western art can have the air of museum pieces, petrified under layers of respectability, but in the performances of the Vogler Quartet and its guests they become not only alive but also dangerous. One feels they might kick if one comes too close. ... Daniel Müller-Schott, with Priya Mitchell (violin) and Robert Kulek (piano), was just as powerful in Brahms's Piano Trio No 1 in B, Op 8, a youthful work revised with no loss of youthful generosity 35 years later, and the three of them soared and swooped in a crescendo of mounting excitement.

The late-night concert on Sunday was perhaps the most overwhelming of the festival; it was certainly unforgettable. Müller-Schott played Britten's Cello Suite No 3 with burning intensity, each movement seeming the condensation of a lifetime's experience, a centre of gravity into which the audience was inexorably drawn. ...

It was in Schoenberg's string sextet Verklärte Nacht (Vogler with Lars Anders Tomter and Müller-Schott) that the players excelled themselves. Its often dense textures were made clear and its melodic lines were kept taut, so it sounded less like the last faded flower of romanticism than a precursor of a more austere style. It was a bracing intellectual experience.

The weather was disappointing, but the star of music shone brighter than ever at the Vogler Spring Festival. (The Irish Times, 09 May 2003, by Douglas Sealy)

 
Natürlichkeit und Musikalität
Von Theophil Hammer

Daniel Müller-Schott, kaum 27 Jahre alt, ist mehr als nur ein ausgezeichneter Cellist: Er ist ein großartiger Musiker. Und das, ohne dass er mit Nachdruck darauf hinweisen müsste.

Wenn er seinen Körper beim Spielen leicht hin- und herwiegt, scheint die Musik jegliche Bodenhaftung zu verlieren. In Müller-Schotts Spiel vereinen sich unverstellte Natürlichkeit, stilistische Kompetenz, mühelose Technik und fein gelenkte Emotion in besonders glücklicher Weise.

Schon die ersten Takte von Bachs Gamben-Sonate Nr. 3 g-Moll ließen erkennen, wie sehr der junge Künstler mit den klangspezifischen Merkmalen des Barock vertraut ist. Nur gering der Bogendruck, nur begrenzt die dynamische Bandbreite. Auch Pianist Jan Cech näherte den Klavierklang dem des Cembalos an, indem er weitgehend auf das Pedal verzichtete und der Linienführung sowie den Figurationen Priorität einräumte.

Auch in Beethovens A-Dur-Sonate op. 69 hielten sich die beiden Musiker dynamisch zurück. Nur die Durchführungen des ersten und letzten Satzes steigerten sich zu voluminöser Fülle. Dafür lehrten Müller-Schott und Cech die Besucher des Kulturrings, wie betörend auch ein Beethoven singen, wie herausgehoben ein Dolce-Motiv tönen und wie rhythmisch skurril ein Scherzo klingen kann.

Mit Dmitri Schostakowitschs Cellosonate d-Moll op. 40 (1940) wurden andere Bereiche erschlossen. Zwar kam das Largo des ersten Satzes quasi zum Erstarren und das Largo des dritten buchstäblich zum Verlöschen; aber das Finale bescherte dann doch den eruptiven Ausbruch, der im Umfeld tändelnder Geziertheit natürlich umso explosiver wirkte.

Pianist Jan Cech leistete hier, wie zuvor auch bei der Beethoven-Sonate, vorzügliche Unterstützung. Mit den beiden Zugaben unterstrich das Duo nochmals seine stilistische Bandbreite.

Ernest Blochs Gebet nahm angesichts des drohenden Irak-Krieges den Charakter einer inständigen Bitte an, während der Grand Tango von Astor Piazzolla vor rhythmischer Energie und berstender Musikalität vibrierte. Dankbarer Beifall. (Heilbronner Stimme, 17.03.2003)

 
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